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System Of A Down - Mezmerize

Mezmerize
  • VÖ: 16.05.2005
  • Label: Sony
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 148 - Schönheit der Ausgabe

Heiß erwartet, jetzt endlich fertig: Das neue Wahnwitzwerk der vier Exilarmenier. Schneller mitsingen, schneller abfeiern, schneller glücklich sein.

"Everybody's going to the party / have a real good time" bounct es einem in "B.Y.O.B." entgegen. Party? Good Time? Aber das ist doch ein System Of A Down-Song, da kann’s doch nicht um Party gehen. Geht es ja auch nicht. Es geht um den Irakkrieg – und den vermeintlichen Spaß, den manche daran zu haben scheinen. Denn: Hinter catchy Refrains wissen Serj Tankian, Daron Malakian und Co. Botschaften und Meinungen zu verstecken. Obwohl "verstecken" eigentlich das falsche Wort ist. Die Texte sind eindeutig, die Musik manchmal nicht. Was sich hinter hübsch hymnischen Melodien, klebrig eingängigen Refrains und allerhand musikalischem Irrwitz verbirgt, besitzt nach wie vor beißende Ironie und ätzende Ansagen. Nach dem, nun ja, eher halbgaren Songsammelsurium "Steal This Record" ist "Mezmerize" nun also wieder ein vollwertiges Album mit Struktur und stringenter Dramaturgie. Ein neues "Toxicity" ist es aber nicht geworden, ganz einfach, weil man diese Band mittlerweile besser kennt, vielleicht zu oft gehört hat. Der Überraschungseffekt ist schlichtweg nicht mehr vorhanden. Man weiß, was man von S.O.A:D. erwarten kann und wozu diese Band fähig ist. Und da diese Band zu Großem fähig ist, ist "Mezmerize" auch alles andere als ein halbgarer Nachfolger geworden. Nach dem versöhnlichen, beinahe zarten Intro "Soldier Side" wird mit der ersten Single "B.Y.O.B." (heißt Bring Your Own Bombs) ordentlich Wüstensand aufgewirbelt. Slayer meets R'n'B, ein garantierter Hit, der uns bis in die Ewigkeit auf den Dancefloor schweißen wird. "Cigaro" ist das vielleicht traditionellste Stück auf dem Album. Die Growls des "Prison Song" treffen auf den New Metal-Sound früher Tage, auf irren Gesang und Doublebass. Das ist jedoch nicht die Regel. Die Gitarren dürfen sich hier auch mal zurücknehmen, sind nicht mehr so tief gestimmt wie es eine zeitlang hip war. System Of A Down müssen niemandem etwas beweisen, sie wissen, was sie können, wo ihre Stärken liegen. Diese liegen vor allem im Songwriting. Es ist immer wieder erstaunlich was die vier scheinbar mühelos in ein kompaktes Songformat stopfen können, ohne dass das Ergebnis überfrachtet wirkt. Wenn dann, wie in "Radio/Video", doch mal die Vierminutengrenze überschritten wird, nehmen die vier den Hörer mit auf eine musikalische Reise, stimmen einen mit Folklore-Elementen versöhnlich, um einen dann am Schlafittchen zu packen, durchzurütteln und wieder im Polkarhythmus zu entlassen. Selten war das folkloristische Element dabei derart ausformuliert wie in diesem Song. Wenn das eine Single wird, werden mitteleuropäische Discotheken sich an, nicht neue, aber andere Tanzstile gewöhnen müssen. Eine immer größere Rolle im Bandkosmos nimmt übrigens Gitarrist Daron Malakian ein. Er hat nicht nur erneut Seite an Seite mit Rick Rubin produziert, alle Songs und einen großen Teil der Texte geschrieben, sondern singt nun auch verstärkt, übernimmt ganze Refrainpassagen und sorgt mit seiner hellen, quäkigen Stimme oft für das besondere Etwas eines Songs. Im abschließenden, beinahe balladesken "Lost In Hollywood", das ganz in der Tradition von Songs wie "Aerials" oder "Spiders" steht, übernimmt Daron sogar den Leadgesang, währen Serj für den warmen Background zuständig ist. Ein tolles Stück, dessen melancholische Melodie einen nicht mehr loslässt. Schon jetzt darf man gespannt sein auf die Fortsetzung "Hypnotize" – ob das Album wohl schon wieder ein Meisterwerk wird? Warum eigentlich nicht?

Leserbewertung: 10.3/12

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