Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Quintus Berger

The Black Keys - Rubber Factory

Rubber Factory
  • VÖ: 06.09.2004
  • Label: Fat Possum/SPV
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 138 - Schönheit der Ausgabe

Zwei Männer wollen nach oben. Mit ihrem Drittwerk dürften sich die beiden Herren aus dem Mittleren Westen der USA ein Schicksal als Lohnsklaven in der Reifenfabrik endgültig erspart haben.

Wer aus Akron im US-Bundesstaat Ohio stammt, hat nicht viel zu lachen; es sei denn, er/sie macht sich schnell davon. Jim Jarmusch kommt aus der trüben Industriestadt, Supermodel Angie Everhart, Chrissie Hynde von den Pretenders, Devo sowie Maynard James Keenan. Zuletzt schafften die Garagenblues-Punker Dan Auerbach (Gitarre/Vocals) und Drummer Patrick Carney alias The Black Keys dank ihres kompromisslosen Zweitwerks "Thickfreakness" und einer gemeinsamen US-Tournee mit Sleater-Kinney den Absprung. Um nicht wieder aus dem pulsierenden New York zurück in die öde von Gummi- und Reifenindustrie (siehe Albumtitel) regierte Heimat zu müssen, hat sich das Duo offenbar ganz besonders reingekniet. Stücke wie das cool groovende "All Hands Against His Own" oder das eindeutig von Sixties-Soul beeinflusste, dennoch mächtig lärmende "Just Couldn't Tie Me Down" stehen qualitativ auf einer Stufe mit den White Stripes oder der Jon Spencer Blues Explosion. Generell kommt auf der gesamten Platte das Garagen-Feeling und die Power der Stooges auf. Allerdings geben sich die Zwei deutlich entspannter als Iggy & Co., was sowohl den rhythmisch orientierten ("10 A.M. Automatic", "Grown So Ugly") als auch die melodiös-bluesigen Nummern vom Schlage "Act Nice And Gentle" oder "Till I Get My Way" sehr gut tut. Ein besonderes Lob gebührt Mr. Auerbach, der den, wenn schon nicht ausnehmend originellen, dafür ungemein kraftvollen Nummern mit seinem engagierten, für diesen Stil sehr variablen Gesang eine Menge Eigenständigkeit verleiht. Mal nuschelt er bei "Girl Is On My Mind" wie der selige Hendrix, dann wieder kommt er glasklar, fast schon geschliffen daher (etwa bei der schmelzend schönen Country-Ballade "The Lengths"), nur um anschließend völlig verzerrt durch einen Vocoder zu krächzen ("The Desperate Man"). Hut ab! Mit Hilfe einer großen Tournee und ein wenig Unterstützung der Massenmedien dürften die Jungs Akron zukünftig wirklich nur noch für Konzerte besuchen müssen.

Leserbewertung: 9.4/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.