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0 Autor: Dirk Siepe

Patti Smith - Trampin'

Trampin'

In der Ruhe liegt viel Kraft. Auch mit fast 60 Jahren rockt Patti Smith mit mehr Inspiration und Energie als die meisten Riot-Grrrls dieser Tage.

Neun Alben in fast 30 Jahren sind eine eher bescheidene Quote. Aber Patti Smith macht eben nur eine Platte, wenn sie etwas zu sagen hat – das halbgare "Dream Of Life"-Intermezzo von '88 mal ausgeklammert. Nun also vier Jahre nach "Gung Ho" Album Nummer zehn. Zehn neue Eigenkompositionen – der Titelsong basiert auf einem Folk-Traditional –, die in Sachen Intensität an die späten 70er anknüpfen, bevor Smith nach "Wave" als Musikschaffende eine Pause einlegte. "Gone Again" (1996) und "Peace And Noise" (1997) waren zwar auch nicht von schlechter Mutter, aber so viel Poesie und Herzblut wie bei "Trampin'" war dort nicht zu spüren. Beim Song "Ghandi" glaubt man fast, sie wäre mit ihm zur Schule gegangen, und das emphatisch gesprochene "Radio Baghdad" kreiert eine höchst eindringliche Atmosphäre, die den Horror des Krieges zum Greifen nah erscheinen lässt. Lediglich "Mother Rose" kommt arg beschaulich daher, das hymnische "Cash" oder das akustische "My Blakean Year" dagegen wären auch auf "Easter" nicht negativ aufgefallen. Als weitere Höhepunkte seien hier willkürlich das trocken rockende "Stride Of The Mind" und das den Hörer unaufdringlich umhüllende "Cartwheels" genannt. Eine ihrer musikalischen wie spirituellen Töchter zierte zuletzt das Cover dieses Magazins, und es fällt wirklich schwer sich vorzustellen, wie PJ Harveys Entwicklung verlaufen wäre, hätte es Patti Smith nie gegeben. Pattis leibliche Tochter Jesse gibt hier beim abschließenden "Trampin'" ihr Debüt als Musikerin, und so einfühlsam, wie ihr Pianospiel mit dem Gesang ihrer Mutter kommuniziert, darf man hoffen, dass der Geist von Patti Smith die Rock'n'Roll-Welt noch lange bereichern wird.

Bewertung: 10/12

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