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0 Autor: André Boße

Tortoise - It's All Around You

It's All Around You

Es ist Leben in der Post-Rock-Bude: Noch nie klang das Kollektiv mit Hang zur mathematischen Struktur so gefühlvoll.

Der Unterschied ist schon sichtbar: Verwirrten auf dem letzten Tortoise-Album "Standards" vor drei Jahren eine schäbige US-Flagge und klinische rot-weiße Streifen, so ziert das neue Album eine imposante Landschaft zwischen 80er-Provinzial-Poster-Kitsch und einer Postkarte aus Mittelerde. "It's All Around You" heißt das vierte Album des Post-Rock-Kollektivs, und schon nach ein paar Sekunden wird der Unterschied auch hörbar. Sanft und erhaben schleichen sich die ersten Stücke ins Ohr. Das Vibraphon hat die Gitarren verdrängt, die Beat-Schlaufen laufen direkter ab. Jazz-Afro-Dub, oder so. Auf Stück Nummer zwei - "The Lithium Stiffs"- lässt die Stimme von Kelly Hogan an Stereolab denken, bevor die Keyboard-Harmonien an die neue Air-Platte erinnern. In einem Fluss geht es weiter: "Crest", der bislang tiefste Ozean, den Tortoise in ihrer Karriere beschallt haben. Nichts ist hier mathematisch oder kalkuliert. Stattdessen: Gefühle, Strudel, Korallen. Werden Tortoise bei der Performance Räucherstäbchen verteilen? Obwohl: Bei Mercury Rev oder den Flaming Lips haben wir uns das auch nicht gefragt, sondern die Opulenz einfach genossen. Im weiteren Verlauf taucht diese Stimmung so deutlich noch einmal auf ("On The Chin"); stellenweise wird es etwas kühler, am Ende laut und schnell. Trotzdem, die Grundstimmung bleibt: Ein Post-Rock-Album, das schwingt, atmet, lebt – und genau deshalb begeistert.

Bewertung: 9/12

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