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0 Autor: Jochaim Hiller

Dropkick Murphys - The Gang’s All Here

The Gang’s All Here

Erst Bau- bzw. Hafenarbeiter, jetzt Soldaten: Die Bostoner Dropkick Murphys haben offensichtlich eine Schwäche für Pathos und Männlichkeitsattribute, und davon zeugen nicht nur ihre Plattencover, sondern auch ihre musikalischen Outputs. Wie auf dem 98er Debüt „Do Or Die“ gibt’s nämlich auch auf „The Gang’s All Here“ (was nichts mit ‘Gangtum’ zu tun hat, sondern ein typischer Oma-Spruch ist, wenn zum Siebzigsten mal wieder die ganze Familie versammelt ist) wunderbar männlichen Biertrink-Rock, was im Falle der Bostoner eine feucht-fröhliche Mischung aus 77er-Streetpunk, einer Prise Oi! und irisch-schottischen Folk-Elementen bedeutet. Nun, das martialische Coverartwork ist Geschmackssache, der Band deshalb aber militaristische Einstellungen vorzuwerfen, ist ungerechtfertigt, spricht aus den Texten doch eher Working Class-Spirit, der wiederum auf dem familiären Background der Murphys gründet. Bis auf Sänger Al Barr stammen die derzeit mächtig abräumenden Dropkick Murphys nämlich aus irischen Einwandererfamilien, was wiederum die immer wieder mal auftauchenden Folk-Einsprengsel erklärt (wobei „Amazing Grace“ allerdings schottischen Ursprungs ist). Die freilich werden eher spärlich verwendet, so daß Ähnlichkeiten mit den großen Pogues auf der einen und einheimischen Combos wie Across The Border andererseits nur ganz selten zu konstatieren sind. Musikalisch ähnliche Hausnummern sind da schon eher die Stiff Little Fingers (früher) und Oxymoron oder Generators (heute) sowie natürlich Rancid: Lars Frederiksen beansprucht die Producer-Credits dieses Albums. Ach so, Al Barr: Richtig, das ist der Mann von den Bruisers - die sind Geschichte, genau wie der alte DM-Shouter Mike McColgan. Al jedenfalls macht seine Sache gut, sogar besser als Mike. Fazit: klasse Scheibe, für die ich mich allerdings erst uneingeschränkt begeistern konnte, nachdem Al Barr ein paar Dinge zurechtgerückt hatte.

Bewertung: 10/12
Leserbewertung: 8.0/12

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