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0 Autor: Thorsten Zahn

The Afghan Whigs - 1965

1965
  • VÖ: 19.10.1998
  • Label: Columbia/Sony
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 71 - Schönheit der Ausgabe

Die Afghan Whigs sind aus dem schwarzen Loch, das sie "Black Love" (1996) betitelt haben, endlich herausgekrochen und haben zum ersten Mal im Frühjahr '98 die Sonne wieder gesehen. Das war die Sonne von New Orleans - dort ist "1965" nämlich entstanden.

In der amerikanischen Presse als Grunge-Soul verschrien, haben sie diesmal große Bedeutung auf das Letztere gelegt. Nie zuvor wirkte Greg Dulli so lebensfroh, daß er sich sogar zu einem befreienden „On the sunny side... it's alright"-Chorus ("Citi Soleil") hinreißen läßt. Keine Seelenfresserei mehr, sondern nur noch ein riesengroßes "Ja!", das man gerne öfter hören möchte. Und das, obwohl sich das textliche Thema, nämlich zwischenmenschliche Beziehungen aller Formen und Farben, nicht geändert hat. Die Afghan Whigs haben eine neue, spezielle Rezeptur gefunden: einen ordentlichen Schuß Rock, einen kräftigen Schluck Marvin Gaye, viel Herzblut und nur ein müdes Lächeln für die Vergangenheit. Wer glaubt, keinen „Yeah-Yeah-Yeah!"-Refrain ("Omerta") mehr ertragen zu können, der wird nach dieser Platte umdenken müssen und feststellen, daß das ein adäquater Weg ist, seine Gedanken zu befreien. Somit ist "1965" das offensivste Album ihrer ganzen Karriere, aber vielleicht auch, und gerade deswegen, das beste.

Leserbewertung: 9.0/12

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