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The Walkmen - Everyone Who Pretended To Like Me Is Gone

Everyone Who Pretended To Like Me Is Gone

"Everyone Who Pretended To Like Me Is Gone"? Heul doch! The Walkmen fischen in sauren Töpfen nach der melancholischen Sättigungsbeilage.
Schon gleich zu Anfang zeigen sich The Walkmen von ihren auffälligsten Seiten, vollführen einen Drahtseilakt mit viel zerbrechlichem Porzellan in der Hand, der mal gut geht, dann wiederum für Scherben sorgt, und der sich so fast durch das ganze Album zieht: Eine Nummer wie das ergreifend schöne „Wake Up“ erinnert in all seiner vertonten Schwermut an ein hoch konzentriertes Destillat aus frühen Radiohead, Pixies und Sparklehorse, während der folgende Titelsong als skizzenhafte Geste verharrt, mehr Ausdruck als Song darstellt. War die Vorgängerband Jonathan Fire*Eater, bei der immerhin drei der fünf Walkmen aktiv waren, eher um die Verwaltung hehrer amerikanischer Indie-Werte bemüht, ordnet man hier alles dem Joch des Leidens unter: Sänger Hamilton Leithauser schlittert bewegt durch seinen Gefühlshaushalt, während ihm seine Kollegen einen Teppich aus einer Vielzahl von Instrumenten wie verstimmten Klavieren, vergilbten Samplemaschinen und angeschrammten Hammond-Orgeln ausbreiten, mal folgen, dann wiederum führen, und sich stets an die Vorgaben halten: keine Umwege, keine Schnörkel. Die Einbahnstraße frei von der Leber weg. Das spürt man am sehr klaren, direkten Sound (der manchmal allerdings zu unproduziert ins Über-Authentische abrutscht) und auch anhand von Songs, die bezeichnende Titel wie "Revenge Wears No Wristwatch" tragen. Wenn die Primärtugenden Zurückhaltung und Unaufdringlichkeit heißen, fällt es natürlich entsprechend schwerer, sich Gehör zu verschaffen; die New Yorker wollen eben nicht auffallen, sondern quasi nebenbei entdeckt werden. Das kostet Zeit und Mühe, dürfte sich für den ein oder anderen am Ende aber lohnen.

Bewertung: 6/12

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