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0 Autor: Jochen Schliemann

Audioslave - Audioslave

Audioslave
  • VÖ: 18.11.2002
  • Label: Epic/Sony
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 117 - Platte des Monats

Audioslave nutzen ihr Potenzial und erinnern uns ans Wesentliche. Neben der deutlich hörbaren Fusion von Soundgarden und Rage Against The Machine ist ihr Debüt in erster Linie eines: ein klassisches Rockalbum.

"Was soll das bloß werden?", fragten sich sicherlich einige, als bekannt wurde, dass Mitglieder aus zwei der meistvermissten alternativen Bands überhaupt zusammen in den Ring steigen wollen. Bekannt für ihre Teamfähigkeit sind beide Parteien nicht. Da wäre zum einen Eigenbrötler Chris Cornell: Ex-Sänger einer der besten Bands der Neunziger, die allerdings nur so lange technisches Geschick und songschreiberische Genialität vereinen konnte, bis die Visionen der Mitglieder nicht mehr unter einen Hut passten. Soundgarden lösten sich 1997 auf. In der anderen Ecke scharren Tom Morello, Brad Wilk und Tim Commerford mit den Hufen: drei Viertel der im Jahre 2000 nach etlichen Krisen und Kreativreibereien an innerer Spannung zerbrochenen Rage Against The Machine, die einst den Startschuss für die bis heute wütende Crossover-Revolution gaben. Cornell mit Rage also. Oder Rage mit Cornell? Oder gegen? Oder was? So richtig überrascht war jedenfalls niemand, als direkt nach den Aufnahmen die ersten Gerüchte aufkamen, das damals noch "Civilian" genannte Projekt wolle sich schon wieder auflösen und das Material nie veröffentlichen. Letztlich rissen die Vier sich aber zusammen und beschlossen, unter anderem Namen, Audioslave, den gemeinsamen musikalischen Weg weiterzugehen. Dieser führt alles andere als zu neuen Ufern. Das Debüt der Band klingt großteils so logisch, so offensichtlich nach der Summe beider Elemente und nichts anderem, dass klar wird: Cornell und Rage haben nicht vor, gemeinsam nach einer neuen Musikrevolution zu suchen, was bei diesem Potenzial durchaus denkbar gewesen wäre. Sie wollen ein schlichtes, aber deutliches Statement abliefern, eine ehrliche Mischung aus Groove und Härte, aus Melodie und Melancholie. Schon der Name des Produzenten spricht Bände: Rick Rubin ist der Mann, der John Frusciante regelmäßig zu extremerem Minimalismus treibt, Slayer ehrlicher macht als alle anderen, und Johnny Cash zu reduzierten Akustikalben überredete. Dank ihm klingt diese Platte so roh, dass man sie für ein Demo halten könnte, wäre sie nicht so fett. Der RATM-typische Druck nämlich erfüllt auch heute noch seinen Zweck und äußert sich in tanzbaren, riffdominierten Uptempo-Songs, die etwa 50 Prozent des Albums ausmachen.

Leserbewertung: 8.4/12

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