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Eminem - The Eminem Show

The Eminem Show
  • VÖ: 21.05.2002
  • Label: Aftermath/Shade/Interscope
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 112

Es war zu befürchten: Eminem präsentiert sein viertes Album in vier Jahren (wenn man die D12-Platte mitzählt) - und liefert zum ersten Mal eine kleine Enttäuschung ab.

Lebten seine Platten bis jetzt von dem für HipHop-Verhältnisse erstaunlichen und seltenen Umstand, dass es ihm gelang, die Spannungs- und Ideenkurve über ganze 70 Minuten aufrecht zu halten, hat "The Eminem Show" einfach zu wenig fesselnde und zu viele durchschnittliche Momente zwischen den unbestreitbaren Highlights. Schon der Einstieg in die Platte befremdet: "White America" kommt saftlos, mit behäbigen Beats und abgegriffener Rock-Atmo, "Business" ist unterer Dr. Dre-Standard (der lediglich bei drei Nummern Knöpfe drehen durfte), "Square Dance" schlichtweg nervig und einfallslos. Und ob recht klägliche Gesangsversuche ("Hailie's Song") und Rockstandards wie Aerosmiths "Dream On" wirklich der richtige Weg sind, die Suppe am Köcheln zu halten, darf auch bezweifelt werden. Am besten ist Eminem immer dann, wenn er die Realität seines Lebens (beziehungsweise das, was wir dafür halten) als Basis nimmt und davon ausgehend Authentisches mit Fiktivem verbindet. Etwa, wenn er mit seiner Mutter abrechnet ("Cleanin Out My Closet"), einem ambitionierten Groupie seine Beziehungsunfähigkeit erläutert ("Superman"), oder seine Tochter ans Mikro lässt ("My Dad's Gone Crazy") und dabei zugibt, dass er der Kleinen auch nicht erlauben würde, seine Platten zu hören. In solchen Momenten überlappt die Kunstfigur Eminem so geschickt mit der realen, dass man nur den Hut vor dem Montagemeister Marshall Mathers ziehen kann. Dennoch bleibt am Ende festzustellen: Der Mann sollte sich mal eine Auszeit nehmen. Er hätte sie verdient.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 9.8/12

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