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Jerry Cantrell - Degradation Trip

Degradation Trip
  • VÖ: 24.06.2002
  • Label: Roadrunner/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 112

Es ist zum Heulen. Man genießt diese wirklich gute Rockplatte – und fühlt sich wie beim Konsum von Alice-In-Chains-Methadon.

Alice In Chains-Hauptsongschreiber Jerry Cantrell hat das eigentlich nicht verdient. Die 14 hier verewigten Songs, wie etwa die erste Single "Anger Rising" oder "Angel Eyes", sind gute Rocknummern mit klassischen Riffs, schönen Melodien und Qualität. Aber was hilft das, wenn AIC-Sänger Layne Staley an allen Ecken und Enden fehlt? Und das tut er, auf dieser Platte sogar noch mehr als auf Cantrells Solodebüt "Boggy Depot". Denn "Degradation Trip" hat viele Parallelen zum Schaffen der Seattle-Legende. Etwa die typischen, hypnotisch-langsamen Stücke wie "Psychotic Break" und "Bargain Basement Howard Hughes", die mit ihren Chören einfach zu perfekt für die nun nie mehr stattfindende Alice-In-Chains-Rückkehr wären. Ein anderes Beispiel sind folkige Rocksongs vom Schlage "Solitude" und "Gone", die an "Heaven Beside You" erinnern. Bitte nicht falsch verstehen: "Degradation Trip" lohnt sich, Cantrell ist und bleibt ein herausragender Songschreiber, und die Platte reicht sogar locker an das letzte, selbstbetitelte Album seiner toten Ex-Combo heran. Allerdings wirkt die Musik mitunter auch genauso wie der Hund mit den drei Beinen auf dem Cover von "Alice In Chains": absolut liebenswert, aber es fehlt eben einer der vier Stützpfeiler. Es fällt schwer zu vergessen, dass da mal mehr war. Das klingt fast makaber, ist aber die Tragik dieser tollen Platte.

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