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0 Autor: Jochen Schliemann

Nine Inch Nails - The Fragile

The Fragile
  • VÖ: 21.09.1999
  • Label: Motor/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 81

Fünf Jahre mussten wir warten, jetzt ist es endlich da. "The Fragile", das dritte reguläre Album von Nine Inch Nails, und was soll ich sagen: es ist überwältigend - in jeder Form!

Zwei CDs, 23 Songs und jede Sekunde trägt definitiv die Handschrift von Trent Reznor. Im Nachhinein scheint dieses Album fast die einzig logische Weiterentwicklung zu "The Downward Spiral", Soundparallelen jedenfalls gibt es genug. Schon der wahnsinnige Opener "Somewhat Damaged" vereinigt viel Vertrautes in extremerer Form: abgefahrene Rhythmen, kranke Sounds und nicht zuletzt Reznors morbide Texte, die sich durch das gesamte Werk ziehen. Eigentlich müsste man zu jedem einzelnen Kapitel von "The Fragile" einen zweiseitigen Aufsatz schreiben lassen, mir bleiben 1.800 Zeichen, um einen kleinen Einblick zu geben in das Gesamtkunstwerk. Schwächen gibt es nicht, ein Stück herauszureißen, heißt den Kontext zu zerstören. "Reguläre" Songs werden verknüpft mit ausgeklügelten Instrumentals, die etwa ein Drittel des Albums ausmachen. Drum'n'Bass-Einflüsse à la "The Perfect Drug" vom "Lost Highway"-Soundtrack finden sich lediglich im mitreißenden "Starfuckers Inc." wieder, das zusammen mit "We're In This Together", dem bombastischen Titeltrack und "Into The Void" zu den wenigen Singleanwärtern gehört. Ansonsten finden gängige Strukturen nur dann statt, wenn Reznors Emotionen es erlauben. Selten habe ich so atmosphärische Dichte erlebt wie bei "Even Deeper" oder der Ballade "The Great Below" - selten so ausgefeilte Klang- und Harmoniearrangements wie bei "I`m Looking Forward To Joining You, Finally" oder "The Big Come Down". Um ehrlich zu sein, das letzte Mal bei "The Downward Spiral". Ja, hier spricht ein Fan, und da Liebe bekanntlich blind macht, ordnet meine Lobeshymne bitte in diesen Kontext ein. Wer sich aber einen Gefallen tun will, nimmt ein Wochenende frei und lässt "The Fragile" auf sich wirken. Ein derartig intensives Stück Musik gab es schon lange nicht mehr. Meisterwerk.

Leserbewertung: 11.0/12

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