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0 Autor: Jörg Staude

Creed - Weathered

Weathered
  • VÖ: 19.11.2001
  • Label: Epic/Sony
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 106 - Platte des Monats

Ein Festival der Extreme: Creed setzen auf ihrem dritten Album sowohl auf Altbewährtes als auch härtere Akzente. Trotzdem erscheint alles wie aus einem Guss. Klingt komisch, ist aber so. Motto: Post-Grunge meets Classic Rock.

Schon im Vorabinterview (siehe VISIONS 105) hatte Sänger Scott Stapp angekündigt, dass "Weathered" eigentlich aus zwei sehr unterschiedlichen Seiten bestünde: eine härtere und eine balladeske. Generell hat er Recht. Nach den ersten beiden Songs fragt man sich wirklich, ob Creed bewusst ihr Mainstream-Publikum vergraulen wollen. "Bullets" und "Freedom Fighter" leben von Nu-Metal-Anleihen, die man bisher nicht von der 10-Millionen-Band gewohnt war. Aber schon beim über achtminütigen Epos "Who's Got My Back" wird die neue Marschrichtung klar: Das Trio aus Florida versucht noch mehr als früher, Classic Rock in ihren Sound zu integrieren. Einige der elf Songs leben von Riffs, die Gitarrist Mark Tremonti aus dem großen Jimmy Page/Led Zeppelin-Fundus geklaut hat ("My Sacrifice" und der Titelsong vor allem). Auch das einzige richtige Solo der Scheibe (auf "Stand Here With Me") kommt ebenfalls ziemlich Old School rüber und riecht extrem nach Heavy Metal. Dennoch schaffen es Creed irgendwie immer, zeitgemäß zu klingen. Man merkt bei jeder Note, dass die Band weiß, was sie will. Ein paar mehr Experimente hätten nicht geschadet, wären aber vielleicht doch zuviel des Guten gewesen. So erfüllen Halbballaden wie die erste Single "My Sacrifice", "Hide" und "One Last Breath" genau das, was man nach "What's This Life For" und "With Arms Wide Open" erwartet hat. Eine Band, eine Formel. Textlich hingegen hat sich Stapp merklich zurückgehalten, die meisten Lyrics sind kryptischer und undurchsichtiger als früher, nur noch selten wird direkt und aufdringlich auf der Pathos-Schiene gefahren ("So what is the truth now" aus "Who's Got My Back" oder "Somewhere in His Grace I cried out heaven save me" aus "One Last Breath"). Vielleicht die reifste Leistung der Band bisher.

Bewertung: 10/12
Leserbewertung: 7.7/12

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