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0 Autor: Patrick Großmann

Motorpsycho - Phanerothyme

Phanerothyme

Die Norweger geben sich weiter haltlos der Aufarbeitung eigener 60s/70s-Vorbilder hin. Dass sich dabei zum ersten Mal in ihrer wechselvollen Karriere Stagnation breit macht, schmerzt.

Gefreut wie ein Schneekönig hatte man sich, als Bent Sæther und Co. vor anderthalb Jahren die Chuzpe besaßen, genüsslich grinsend die Mauern ihres Laut/Leise-Universums einzutreten, um mit einem vor Eklektizismen nur so triefenden, gewitzten Retropop-Bastard zu überraschen. "Let Them Eat Cake" erschien wie ein Augenzwinkern auf höchstem Niveau. Ein Abstecher. Ein Betriebsausflug - inklusive Rückfahrkarte. Irrtum: Schon der Opener des aktuellen Werkes knüpft mit seinen Akustik-Gitarren und den (zugegeben: schönen) Streicher-Arrangements exakt beim Vorgänger an. Statt noisiger Gitarren also wieder Psychedelic-Rock und substanzielle Orchester-Komplexität, wobei man aufrüttelnde Klangerlebnisse à la "30/30" diesmal jedoch leider umsonst sucht. Lediglich das zerbrechliche "Painting The Night Unreal" sowie "When You're Dead" verwöhnen mit Melodiebögen zum Heulen. "Go To California" outet sich dann gar als gniedelig-plagiative Zitat-Sammlung irgendwo zwischen den Doors, The Who und Jethro Tull! Ich bin enttäuscht. Nicht nur leicht, sondern mittelschwer. Motorpsycho, das waren einst "Angels And Daemons At Play". Derzeit erinnern sie eher an ein gepflegtes, technisch durchaus bravouröses Boccia-Turnier dreier Frührentner irgendwo in der Toskana. Schade.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 8.4/12

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