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0 Autor: Andreas Kellner

Fireside - Elite

Elite
  • VÖ: 06.11.2000
  • Label: Stickman/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 92

Fireside emanzipieren sich noch weiter von ihren (Post-) Hardcore-Wurzeln und erweisen sich als äußerst spiel- und experementierfreudige Gesellen.

Endlich meldet sich das schwedische Quartett zurück, aber wer erwartet hat, dass sich Fireside darauf beschränken eine verfeinerte Neuauflage von „Uomini D’Onore“ abzuliefern, der könnte möglicherweise sehr enttäuscht sein. Denn mit ihrem ehemals von Quicksand und Fugazi geprägten Sound hat „Elite“ nur noch am Rande zu tun. Die Vorzeichen für diese Entwicklung kann man nur in dem Stück „Dos“ von ihrem letzten Album ausmachen: Schleppende Rhythmik, simple aber eindrucksvolle Melodieführung und sich langsam steigernde Dynamik sind auch für „Elite“ charakteristisch. Wer angesichts dessen damals von einem Post-Rock Einfluss gesprochen hätte, wäre für einen unglaubwürdigen Propheten befunden worden. Nun aber macht die Sache Sinn, denn Fireside sind im Meer der Modulationen ganz weit hinaus geschwommen. Sie warten mit einem ganzen Arsenal an Instrumenten und Soundquellen auf: Synthesizer mahnen an New Wave, Bläser blasen Sturm zum Pop-Gewitter und Sampler stricken einen Beat-Teppich als Gitarrenbrettunterlage. Die sehr komplexen wie auch offenen Songstrukturen der mitunter weit über sechsminütigen Tracks lassen u.a. einen deutlichen Einfluss von Motorpsycho und, ja, Tortoise spüren. Fireside sind damit dem Schema Frustration plus Melancholie bzw. wütende Gitarren plus Melodie entwachsen und legen ein beachtlich abgeklärtes Album vor.

Bewertung: 9/12

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