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0 Autor: Juliane Kehr

Editors - EBM

EBM

Setz dich Gitarre, wir müssen reden: Mit Editors und den elektronischen Beats ist es was Ernstes, die kommen nicht mehr zu dir zurück.

Spätestens als Editors im Januar Benjamin John Power, Gründungsmitglied der Drone-Band Fuck Buttons und außerdem bekannt für das Elektro-Projekt Blanck Mass, als neues Vollzeit-Bandmitglied vorgestellt haben, war der musikalisch nächste Schritt der einstigen Indie-Lieblinge offiziell: Beats vor Rock. Anzeichen dafür gab es einige: 2019 erscheint die EP "The Blanck Mass Sessions", die sechs Songs vom Album "Violence" im elektronischen Gewand neu präsentiert. Darauf folgt das Best-of-Album "Black Gold". Die Songsammlung kann rückblickend als Zäsur und Abschluss einer Phase gesehen werden und gibt gleichzeitig mit Songs wie "Frankenstein" auch schon einen deutlichen Ausblick, wohin die Reise gehen wird. Das alles hört man auf "EBM" (auch der Titel ist ein recht unverblümter Hinweis) vom ersten bis zum letzten Song. Der Opener "Heart Attack" lässt die Beats genüsslich vom Intro unter den Gesang laufen, wo Tom Smith schon darauf wartet, einen Editors-typischen Refrain auf die treibende Electronica zu setzen. Das folgende "Picturesque" erklärt die Umgewöhnungsphase abrupt für beendet, statt Düsterromantik gibt es die volle Dröhnung: hibbeliger kleiner Bruder von Depeche Mode trifft Caribou trifft New Order. Das heißt aber nicht, dass Smith den tiefen Oktaven abgeschworen hätte, wie "Silence" beweist. Allerdings sucht man auch hier die früher dominanten Gitarren vergeblich. Das Thema ist durch, und Editors haben viel zu viel Spaß daran, sich in ihrer neuen Soundwelt auszutoben. Die zeichnet sich vor allem durch eine aufgekratzte Dringlichkeit aus, die in Songs wie "Strawberry Lemonade" zum Tragen kommt, in dem ein Synthieloop den nächsten jagt, ähnlich wie The Prodigy es praktizieren. Das folgende "Vibe" klingt zuerst wieder mehr nach Depeche Mode, biegt dann aber Richtung Gute-Laune-Song ab. Eine interessante Wendung, wäre es doch ein Leichtes für die Band gewesen, ihre melancholische Art Songs zu schreiben auf eine neue Industrial-Basis zu transferieren. Doch auch da brechen die Briten viele musikalische Brücken ab und lassen lieber Blanck Mass mit seinem Erfahrungsschatz für die Regeln elektronischer Musik gründlich am Entstehungsprozess mitmischen. So sind Editors jetzt also eine "EBM"-Band. Das muss man ein paar Mal laut sagen, bevor es richtig sackt. Selbst wenn das abschließende "Strange Intimacy" deutlich zu viel auf einmal möchte, Editors gehen ihren Weg konsequent weiter. Das kann man anerkennen, auch ohne mitzugehen.

Leserbewertung: 1.0/12

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