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0 Autor: Sebastian Berlich

King Buffalo - Regenerator

Regenerator
  • VÖ: 02.09.2022
  • Label: Stickman/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 354 - Schönheit der Ausgabe

Mühelos lassen King Buffalo auf ihrem dritten Pandemie-Album Psychedelic Rock in all seinen Facetten funkeln.Gefühlsmusik, die den Kopf nicht enttäuscht.

Zwischenzeitlich vergisst man den Kopf sowieso, wie es sonst nur auf Substanzen vorkommt. Okay, das ist ein Psychedelic-Klischee, aber genau das führt einen zum Reiz von King Buffalo 2022: Sie spielen Ausgelutschtes so, dass es neu und dringlich klingt. Schon auf dem Cover vermittelt "Regenerator" Aufbruchstimmung. Offensichtlich hat das Trio aus Rochester den Weg aus der Unterwelt gefunden, durch die der Vorgänger "Acheron" in vier ausladenden, verästelten, teils infernalischen Longtracks irrte. Den aktuellen, immerhin auch neunminütigen Titelsong eröffnet hingegen symbolisch ein schimmernder Synthesizer, der durch die Dunkelheit bricht und einen Space-Age-Optimismus verbreitet, der sich neben Sean McVays schlierender Michael-Rother-Gedächtnis-Gitarre auch in den ersten Zeilen fortsetzt: "I rise from the withering night/ New dawn brings the morning light." Danach schiebt Scott Donaldsons motorischer Kraut-Beat die Band durch diverse Krach-Grade und flackernde Klangfarben, fast beiläufig, wie so vieles auf diesem Album wirkt. King Buffalo scheinen befreit, verfolgen keinen konkreten Sound, drehen eher Ehrenrunden um bereits etablierte Stile. Auch einen zügellosen Moment wie "Mammoth" gab es zuletzt nicht: Donaldsons Schlagzeug stolpert, Dan Reynolds' Bass torkelt, McVays Gitarre lauert, bis sich alle in bester Power-Trio-Manier hochschaukeln, in triumphale Riff-Schichten, die sich schließlich in orgelnder Lautmalerei auflösen. Nicht nur hier glänzt McVay als Sänger, der sich endgültig nicht mehr zweckmäßig durch Strophen raunt, sondern richtige Refrains und Bandbreite liefert – am Ende des ebenso nervösen wie entspannten "Mercury" erinnert er sogar kurz an Chris Cornell. Fürs Rockradio fließt die Musik weiterhin zu frei, hat zu viel Lust an der Überwältigung. Die Single Hours etwa bietet in der ersten Hälfte dichten Fuzz-Rock, verliert sich aber erst an einen fiependen Synthesizer und mündet dann in kosmisches Stoner-Rauschen. Noch virtuoser wechselt die Kiffer-Fantasie "Avalon" zwischen wolkigem Shoegaze und krachend-kratzigem Post-Rock, bevor am Ende "Firmament" als zweite Neun-Minuten-Expedition das Album beendet, mit weniger Kraut und mehr ruheloser Prog-Ambition als der Opener, aber genauso elegant und vollendet. Texturen, Dynamik, alles, woran Psychedelic Rock scheitern kann, beherrschen King Buffalo souverän. Absolut richtige Wahl, mit diesem Album den Release-Zyklus aus den 2020er-Sessions zu beenden.

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