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0 Autor: André Bosse

Suede - Autofiction

Autofiction

Brett Anderson nennt das neunte Album seiner Band eine "Punk-Platte", was natürlich Unfug ist: Suede sind so sehr Punk wie Friedrich Merz ein Mann des Aufbruchs ist. Sinn ergibt der Genrebegriff lediglich im Vergleich zum Album davor.

"The Blue Hour" geriet 2018 zum cineastischen Britpop Noir, vergleichbar mit dem dunklen Meisterwerk "Dog Man Star", 1994 die zweite Platte der Band. Damals folgte wiederum darauf die Hitplatte "Coming Up" (1996), und ganz ähnlich ticken Suede auch heute: Auf die schwelgerische Melancholie folgt nun die ruppige Seite der Band. Die Idee dahinter: im Studio so zu klingen, wie sie live klingt. Sogar eine Aufnahme vor Publikum war angedacht, bevor die Pandemie diese Pläne durchkreuzte. Aber auch ohne applaudierende Fans ist der Band Autofiction gelungen. Es gibt begründete Skepsis, wenn Musiker vorhaben, ein Album lauter und direkter klingen zu lassen als das vorherige – oft siegen dann die erstbesten Impulse gegen vielschichtiges Songwriting. Das ist bei "Autofiction" anders: Ob "She Still Leads Me On" als mitreißende Hymne an die gerade verstorbene Mutter, der dringliche Sprechgesang von "Personality Disorder" (hier hat sich Brett Anderson von Dry Cleaning oder den Sleaford Mods inspirieren lassen) oder die Erinnerungsmusik von "15 Again": Die kompakten Songs funktionieren und stellen die zwei Balladen in den Schatten – zumal die etwas zu sehr versuchen, den Glanz des alten Tränenziehers "Pantomime Horse" vom Debütalbum zu beleihen.

Bewertung: 8/12

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