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0 Autor: Sebastian Berlich

Mantar - Pain Is Forever And This Is The End

Pain Is Forever And This Is The End
  • VÖ: 15.07.2022
  • Label: Metal Blade/Sony
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 352 - Schönheit der Ausgabe

Keine Angst: Noch immer brennen die Gitarren, Hanno Klänhardt krakeelt, Erinç Sakaryas Schlagzeug rumpelt und in den ersten drei Sekunden würgt jemand.

Der bislang größte Rock-Moment des Blackened-Doom-Punk-Duos ist also kein Verrat, sondern eine Vollendung - Grunge sei Dank. Schon seit "Death By Burning" feilen Mantar daran, Hits aus möglichst garstigen Komponenten zu formen: der dreckigen Schwere von Doom und Sludge, der räudigen Energie des Punk, den fiesen Blicken des Black Metal. Was am Anfang noch den Umweg über etwas hüftsteifen Stoner Rock nimmt, wächst auf den beiden Nachfolgern zu einem eigenen, mächtigen Sound, der nun mit "Pain Is Forever And This Is The End" in voller Blüte steht. Es hilft, dass Klänhardt sich im Studio nicht auf Duo-Purismus limitiert. Noch immer kratzt und kracht es, aber so, dass jede Nuance zu hören ist. Vor allem Songs wie der Closer "Odysseus" mit seinem Post-Rock-Hintergrund profitieren von dieser Tiefenschärfe, ebenso die dynamische Single "Hang 'Em Low (So The Rats Can Get 'Em)". Dort steigen Mantar mit einem deftigen Riff ein, bauen sich in einer ruhigen, aber angespannten Strophe weiter auf, Background-Chor inklusive, bis der Refrain rund um die jetzt bereits ikonische Titelzeile explo-diert. Dafür sorgt auch ein Einfluss, den sich das Duo jüngst erschlossen hat: Dreht man den Gesang gedanklich weiter in Richtung Verzweiflung, erinnert er deutlich an Nirvana. Als sich Klänhardt und Sakarya vor zwei Jahren auf "Grungetown Hooligans II" durch ihre Sozialisation in der Alternative Nation covern, kann man das noch für ein Gedankenspiel halten. Jetzt erweist sich die EP als Testlauf für einen Anbau im bandeigenen Genre-Komplex, der sich in "Grim Reaping" hervorragend neben der Black-Metal-Gitarre macht und in New Age Pagan angemessen trist vor dem unvermeidlichen Niedergang abhängt. Dass Grunge und Sludge ähnliche Wurzeln haben, ist von Vorteil, genauso aber, dass Mantar weiterhin auch Rock ohne Seattle-Anbindung schätzen. Schon der Opener "Egoisto" macht das groovend klar, erinnert zudem an Motörhead'schen Punk-Metal, der sich später in "Horder" perfekt mit Black-Metal-Insignien wie rasselnden Hit-Hats und Dissonanzen verträgt. Noch deutlicher erinnern Mantar im programmatisch betitelten "Of Frost And Decay" an die Punk-Phase von Darkthrone, wenn sich Klänhardt zu Sakaryas gemäßigtem Doom-Schlagzeug über die Leute auskotzt. Neben Mantar haben sich etliche Bands des vergangenen Jahrzehnts an einem derartigen Sound versucht, doch keine spielt ihn so gekonnt zwischen Welthass und Partyspaß wie die (Exil-)Bremer auf "Pain Is Forever And This Is The End".

Leserbewertung: 10.0/12

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