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0 Autor: Vivien Stellmach

Kraftklub - Kargo

Kargo
  • VÖ: 23.09.2022
  • Label: Eklat/Krasser Stoff
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 355 - Schönheit der Ausgabe

Da ist sie wieder, die Stimme einer Generation. Kraftklub führen ihren zackigen Indierock-Rap auf Kargo konsequent fort, präsentieren sich aber persönlicher und melancholischer als zuvor.

Vor zwölf Jahren haben Kraftklub ihre Band gegründet, 2012 ihr Debütalbum "Mit K" veröffentlicht und seitdem als Sprachrohr für die junge Masse fungiert – ob es ihnen gefiel oder nicht. Ihr popkulturell aufgeladener Disco-Indie holte vor zehn Jahren Unmengen von musikbegeisterten Menschen ab, anschließend navigierten die Chemnitzer auf "In Schwarz" (2014) und "Keine Nacht für Niemand" (2017) mehr in Richtung Schwedenrock und Gesellschaftskritik: Rechtsruck, Rassismus und Seitenhiebe gegen eine haltungsschwache Allgemeinheit prägten ihren hibbeligen Indierock, den Kraftklub stets mit einer großen Portion Selbstironie dekorierten. Viel geändert hat sich daran auf ihrem vierten Album nicht. Aus Kraftklub sprechen immer noch Wut, Frust und ein bisschen Ohnmacht. Der Song "Vierter September" rechnet mit den Ergebnissen der "Wir sind mehr"-Bewegung ab, in deren Rahmen die Band am 3. September 2018 ein kostenloses Konzert als Antwort auf die rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz initiiert hatte. "Am vierten September fahren die Züge wieder regulär/ Und nichts hat sich verändert, die Innenstadt ist wieder leer", heißt es im Refrain. Auch im zappeligen "Wittenberg ist nicht Paris" bekommt die politisch gemütliche Generation ihr Fett weg: "Nazis raus ruft es sich lauter, da wo es keine Nazis gibt." Kraftklub sind wütend, weil sie zwar gehört, aber nicht verstanden werden – und das auch, weil sie sich manchmal selbst nicht begreifen. Im Opener "Teil dieser Band" rappt Frontmann Felix Brummer über die wilde, ungeplante Karriere der Chemnitzer: "Die Wahrheit ist, all das hier hat sich ergeben/ Dieses seltsame Leben, für das ich nichts kann/ Ich weiß nicht, wie es geht/ Mehr Glück als Verstand." Und auch in "Ein Song reicht" wird es persönlich: Brummer rechnet mit musikalischen Held:innen ab, die ihn an eine gescheiterte Liebesbeziehung erinnern: "Verdammter Mike Skinner, Kate Nash, Lykke Li, Tame Impala, The Killers, Florence + The Machine." Anders als bislang schwingt auf "Kargo" eine gute Portion Melancholie mit – so auch im lebendigen " Kein Gott, kein Staat", nur "Du" mit Sängerin Mia Morgan und im giftigen "So schön" mit Blond, die zu zwei Dritteln aus den Brummer-Schwestern Nina und Lotta bestehen. Lockerer wird es in "Fahr mit mir (4x4)", in dem Kraftklub erstaunlich gut mit Tokio Hotel harmonieren und beweisen, dass sie musikalisch offener geworden sind. Eine kleine, aber wichtige Entwicklung.

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