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0 Autor: Sebastian Berlich

Tom Morello - The Atlas Underground Flood

The Atlas Underground Flood

Auch im zweiten Teil des Sequels zu "The Atlas Underground" heult Tom Morellos Gitarre orientierungslos durch einen fremd- und überproduzierten Kessel Buntes.

Sagen wir es mit seinen Worten: Platten wie diese lassen wenig Hoffnung für die Zukunft der Musik. Vorweg: Wenn Kunst Menschen durch den Lockdown hilft, sie sogar zusammenbringt, ist das grundsätzlich zu begrüßen. Im Moment der Veröffentlichung zählt aber kein therapeutischer Mehrwert, sondern wie das Ergebnis klingt, und hier fängt das Problem mit dem doppelten Nachfolger zu "The Atlas Underground" von 2018 an. Damals konfrontiert der Rage-Against-The-Machine-Gitarrist sein Instrument mit genrefremder Umgebung, das Experiment scheitert, Morello entgeht das scheinbar. Beweis dafür ist "The Atlas Underground Flood", das gemeinsam mit dem vor wenigen Wochen veröffentlichten "The Atlas Underground Fire" als Doppelalbum zählen soll – Morello sieht darin nicht weniger als sein "London Calling". Dass er jüngst auf Twitter anlässlich der American Music Awards gegen die aktuelle Musiklandschaft stichelt, passt dazu auf perfide Weise. Seine eigenen Songs wirken nämlich gleich in doppelter Hinsicht entkoppelt von Realität und Gegenwart: Spannende Künstler:innen, wie sie die AMAs etwa mit Auftritten und Auszeichnungen von Silk Sonic, Megan Thee Stallion oder Tyler, The Creator zu bieten hatten, sucht man vergeblich. Zugleich kommt es zu keiner Fusion zwischen Morellos endlos jaulendem Spiel und den Gastbeiträgen, die Teile bleiben disparat. Nur einmal geht die Paarung auf, als sich in "The Bachelor" Morellos quietschende Riffs mit dem Post-Punk von Idles zu Paranoia-Rock verdichten. Dass diese Meinung nicht an der Voreingenommenheit eines Alternative-Rock-Magazins liegt, zeigt das sphärisch-wehleidige "The Lost Cause", für das sich Manchester Orchestra leider nicht zu schade waren. Kitschiger ist nur "The Maze2, das mit beiden Fäusten an die Tore des ZDF-Fernsehgarten klopft. Die Partytracks sind nicht besser: Schon im Opener "A Radical In The Family" steht die Gitarre bedröppelt neben wirrem Preset-Gebumse, Tiefpunkt ist in dieser Sektion aber "I Have Seen The Way", in dem sich neben Morello auch noch Alex Lifeson und Kirk Hammett mit uninspiriertem Gedudel blamieren. Bis auf "The Bachelor" wirkt "The Atlas Underground Flood" nicht einmal wie ein Album, sondern als klicke man durch einen Katalog mit potenzieller Werbemusik, die den Sound des vergangenen Jahrzehnts von Avicii-Akustik-Gestampfe ("Raising Hell") bis Imagine-Dragons-Haudrauf-Rock ("Human") imitiert. Im besten Fall formelhaft-professionell, im schlimmsten dilettantisch-planlos.

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