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0 Autor: Sebastian Berlich

Jerry Cantrell - Brighten

Brighten

Grüßt uns Onkel Jerry hier schon von der Veranda seines Altenteils? "Brighten" stapft jedenfalls so urgemütlich wie urgewaltig durch 100 Jahre US-Gitarrenmusik.

Es gibt Rocklegenden, die schlechter altern als Jerry Cantrell. Stilistische Verirrungen, wirre Statements, unwürdige Reunions – nichts davon findet sich in seiner Vita, trotz der bewegten Biografie seiner Band. Doch als Alice In Chains um die Jahrtausendwende in der Krise stecken, überbrückt er das einfach mit zwei gelungenen Soloplatten, und nach Layne Staleys Tod gelingt es ihm sogar, die Grunge-Institution ohne ihren charismatischen Sänger in eine nicht durchweg brillante, aber stets würdige zweite Phase zu führen. Wenn 19 Jahre nach "Degradation Trip" nun mit "Brighten" sein drittes Soloalbum erscheint, ist das kein Zeichen einer neuen Krise, sondern der Kreativität: Cantrell möchte sich hier hörbar abseits seines schweren Signature-Grunge-Sounds austoben. Schon im Opener "Atone" flirren Western- und Blues-Einflüsse, der Titelsong ist ein sonniger Alternative-Rocker und spätestens, wenn zu Beginn des behäbigen "Prism Of Doubt" eine Pedal-Steel-Guitar heult, ist der Fall klar. Die prominenten Gäste sind zweitrangig, Erfüllungsgehilfen für Cantrell, der sich hier angenehm souverän als Elder Statesmen inszeniert, ohne dabei pseudo-jugendlich oder bemüht altersweise zu wirken. Tyler Bates’ detailreiche Produktion und exzellentes, vielfältiges Material ermöglichen dieses schöne Spätwerk zu gleichen Teilen.

Bewertung: 8/12

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