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0 Autor: Michael Setzer

Pallbearer - Forgotten Days

Forgotten Days
  • VÖ: 23.10.2020
  • Label: Nuclear Blast/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 332

Was das Quartett aus Arkansas auf der vierten Platte anreicht ist von erhabener Schönheit – eine herrliche Tragödie auf der nach unten offenen Doom-Skala.

Ein bisschen "meta" ist es schon, dass ausgerechnet Doom, das konservativste Metal-Genre, vom Zeitgeist eingeholt wird. Das Drama, die Sorgen und der Weltuntergang in schillerndem Grau sind plötzlich aktueller Stoff. Und Pallbearer sind auch auf ihrer vierten Platte nicht zimperlich: tiefenschwere Druckwellen, ein verwaschenes Fundament, geschichtete Wehmut, Hall, Raum und Glamour. Spätestens im Zwölf-Minuten-Monster "Silver Wings" treiben Brett Campbell, Devin Holt, Joseph D. Rowland und Mark Liery ihre völlig kitschfreie Theatralik derart auf die Spitze, dass man nicht umhinkommt, sich an diesem Unheil zu erfreuen. Dazu einfache Worte, weil der Kern einer Tragödie selten komplex ist: "I cannot remember from where I came/I cannot remember who I once was". Wo Pallbearer auf dem Vorgänger "Heartless" bisweilen noch introvertiert agierten, öffnen sie auf "Forgotten Days" alle Schleusen, inklusive einer fesselnden Dramaturgie, die Platten auf langer Strecke so oft abgeht. Ganz nebenbei vollbringen sie auch noch das Kunststück, Epic Metal ohne freien Oberkörper und Blut am Schwert anzureichen – das gab’s in jüngster Vergangenheit höchstens bei Atlantean Kodex. Mögen alle bitte unbeschadet aus 2020 und dem Quatsch rauskommen, dann lachen wir auch wieder über die Weltuntergangs-Metaphorik. Versprochen.

Bewertung: 10/12

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