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0 Autor: Gerrit Köppl

Sharptooth - Transitional Forms

Transitional Forms
  • VÖ: 10.07.2020
  • Label: Pure Noise/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 328

Beim Hardcore von Sharptooth sollte man unbedingt zum Textbuch greifen.

"Mosh call, generic mosh call": Shouterin Lauren Kashan macht sich in "Say Nothing (In The Absence Of Content)" darüber lustig, dass sie sowieso niemand verstehen will. Witzig ist der Opener von "Transitional Forms", in dessen Musikvideo Sharptooth bekannte Musikvideos nachspielen, während sie mit inhaltsleerem, aber ichbewusstem Text auf den Breakdown zusteuern. Sind die Arme einmal gelockert, sollte man bitte die Ohren spitzen: Kashan schreit auf dem zweiten Album der Band aus Baltimore über körperlichen und psychischen Missbrauch, Marginalisierung, Unterdrückung – Dinge, die sie selbst erfahren hat, als sie als missbrauchte, drogenabhängige Jugendliche in einer Entzugsklinik landet, die sich als Sekte entpuppt, die manches Mitglied mit Psychoterror in den Tod treibt. In "Transitional Forms" zieht Kashan uns am Kragen durch ihr Trauma: Songs über Selbsthass, institutionellen Sexismus ("You're not a feminist just because you fucked one"), Ausgrenzung von Minderheiten (mit Support von Anti-Flags Justin Sane in Evolution), autoritäre Staatsgewalt ("The Southern Strategy") und Empowerment ("Manic Pixie Dream Bitch"). Der dumpfe Slam-Hardcore ist keine musikalische Offenbarung, verleiht ihren Worten aber zusätzliche Macht. Die brutale Offenheit hilft ihr bei der Heilung, wie sie zum Schluss im Manifest "Nevertheless (She Persisted)" festhält: "My greatest asset/ My biggest weakness/ I'll open up“. Das ist stark.

Bewertung: 8/12

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