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0 Autor: Florian Zandt

Dream Wife - So When You Gonna…

So When You Gonna…
  • VÖ: 03.07.2020
  • Label: Lucky Number/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 328

Weniger Punk, mehr Pop, so gehaltvoll wie immer: Auch das zweite Album des Trios ist eine tanzbare Kampfschrift für Empowerment.

Der Nachfolger zu "Dream Wife" bedient sich dabei direkt in den ersten paar Sekunden einer klugen Finte: Das quietschende Gitarren-Feedback und die krachende Energie, die "Sports!" andeutet, greift die Band im weiteren Verlauf des Albums kaum noch auf. Vielmehr steht radiofreundlicher Indiepop mit 00er-Jahre-Kante statt Riot-Grrrl-Attitüde auf dem Plan – zumindest musikalisch. Denn obwohl vermeintliche Mainstream-Themen wie gescheiterte Beziehungen, körperliche Anziehung und die Probleme des konstanten Tourens angesprochen werden, geht es nicht um das "Was", sondern das "Wie". Und das ist ausschließlich inklusiv, selbstermächtigend und oft genug auch queer. Manchmal kommt auch alles zusammen wie im Titelsong, in dem Sängerin Rakel Mjöll zu treibendem Garagepop wildes Knutschen von ihrer nichtbinären Gesprächspartnerin einfordert. "Temporary" hingegen setzt Vampire-Weekend-Gitarrengeflimmer gegen eine Drum-Machine, während die poppige Faust-hoch-Hymne "RH RN", abgesehen vom Inhalt, auch von Bastille hätte sein können. Passenderweise schließt "So When You Gonna..." mit dem elegischen Pro-Choice-Klavierstück "After The Rain" ab. Darin singt Mjöll Zeilen wie "It's my choice, my life/ It's my womb I sacrifice". So zeigen Dream Wife deutlich, dass Empowerment sowohl leise als auch laut funktionieren kann. Hauptsache, man bezieht Stellung.

Bewertung: 8/12

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