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0 Autor: Michael Setzer

Slime - Wem gehört die Angst

Wem gehört die Angst
  • VÖ: 13.03.2020
  • Label: Arising Empire/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 324

Die Abgefucktheit eines Landes lässt sich auch daran ablesen, dass die ollen Kamellen der Hamburger Polit-Punks noch immer tagesaktuell ins, äh, Braune treffen.

Es ist immerhin grob 40 Jahre her, dass Slime dem politischen Deutschpunk ein Gesicht, Stimme und furchtlosen Rotz gegeben haben – Strafverfahren, Aufruhr und Empörung, Bullenschweine, Schweineherbst, Alle gegen alle. Slime sind ein wertvolles Stück alte Bundesrepublik. Reichlich authentisch, wenn man unbedingt will, wirken die Hamburger fast ein bisschen angefasst, wenn Dirk Jora im schmissigen Punkrock-Song Paradies wie Opa damals vom Krieg erzählt – also, dem anderen Krieg: AKW Brokdorf, Hafenstraße und Punk. Nur einmal suhlen sich Slime in ihrer alten Expertise der effektiven Wut: Kein Mensch ist illegal – besorgte Bürger rausschmeißen, zack, fertig. Kurz gedacht und impulsiv. Druckabbau. Meist erinnern Slime in ihrem dritten Frühling an die Toten Hosen und Social Distortion, im fürchterlichen "Die Masse" leider an angestaubte Herren, die schüttelgereimt mahnen und glauben, dass alle anderen immer noch irgendwie doof sind. Immer die Angst, Slime könnten gleich erklären, dass die Freunde auf Facebook gar keine richtigen Freunde sind. „Und Rio Reiser sang vom Paradies/ Wir alle glaubten fest daran/dass es das gibt“, singt Jora später. Und das ist es eigentlich: Iggy, MC5 hören und hoffen, dass Rio Reiser doch noch Recht behält. Das AKW Brokdorf soll Ende 2021 vom Netz gehen.

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