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0 Autor: Juliane Kehr

Caspian - On Circles

On Circles
  • VÖ: 24.01.2020
  • Label: Triple Crown/Membran
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 323 - Schönheit der Ausgabe

Post-Rock bewegt sich zwischen ausgelutschten Phrasen und atemberaubend epischer Klangkunst oft auf des Messers Schneide, Caspian dagegen kommen selbst mit verbundenen Augen trittsicher an ihr Ziel.

Legte sich mit dem 2015 erschienenen "Dust And Disquiet" noch ein kalter Ring der Trauer ob des zu frühen Todes von Bassist Chris Friedrich um jeden Song, ist es nun Zeit für den ergebnisoffenen Blick nach vorn. Nicht nur die Tür auf dem Cover von "On Circles" ist weit geöffnet, auch die acht Songs selbst atmen wieder Zuversicht, selbst wenn man hinter dem von Rost befallenen Eingang auf dem Cover zunächst etwas Dunkles und Geheimnisumwobenes vermutet. So schickten Caspian dem Album neben dem von Ukulele und vorwitzigen Synthies angetriebenen und zu einer wilden instrumentalen Schlingpflanze heranwachsenden "Flowers Of Light" auch den Quasi-Titelsong als Single voraus. In dem singt ungewöhnlicherweise Band-Mitbegründer und Gitarrist Philip Jamieson und erinnert mit seiner dunklen Schwermut an den Sound des ebenfalls aus Massachusetts stammenden Duos 1476. Jamieson thematisiert in "Circles On Circles" eine Zeit schwerer Depressionen und die daraus resultierende notwendige Behutsamkeit und Vergebung sich selbst gegenüber, die ihm als Steuermann durch ein dichtes, die Sicht raubendes Grau dient und sich in Zeilen wie "Circles on circles when shadows remain/ The shadow remains" wiederfindet. Zwischen den beiden Singles spannt sich unter anderem das erhabene "Nostalgist" auf, unterstützt durch Kyle Durfey von Pianos Become The Teeth am Mikro. Wirkt "Division Blues" mit seinen verschwommenen Gitarren noch angenehm entschleunigend, ist das anschließende "Onsra" die Böe, die den Balanceakt der Band kurz und enervierend redundant beinahe fehlschlagen lässt. Das schräge "Collapser" eilt zu Hilfe und lässt den Ausrutscher mit epischen, unheilvollen, von Streichern getragenen Gitarren vergessen, die mit scharfen Nägeln an Metal kratzen. Am Schlagzeug brilliert dabei Justin Forrest, der seit 2018 die Band auf Tour begleitet und Anfang 2019 offiziell Joe Vickers ersetzt und zwischen marode knarrenden Bässen und gegeneinander verschobenen, vibrierenden Klangschichten das Highlight des Albums dirigiert. Das folgende "Ishmael" stakst wie ein unschuldiges Fohlen zu anschwellenden Akustikgitarren und hebt sich dann aus wabernden Melodien empor, die im Laufe des Songs mehr und mehr den Geist von Mogwai heraufbeschwören. Während man diesem Geist neugierig durch den Song folgt, wird einem langsam aber stetig klar, dass es nicht viele Post-Rock-Bands wie Caspian gibt, die so konsequent ihre Stärken einzusetzen wissen.

Leserbewertung: 7.0/12

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