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0 Autor: Julia Köhler

Rauchen - Gartenzwerge unter die Erde

Gartenzwerge unter die Erde

Misogynie, FKK-Strände und Trachten: Rauchen hauen diese urdeutsche Kulisse mit einem fetten Grinsen und giftspuckendem Geschredder auf den Komposthaufen.

Um zu diesem Fazit zu kommen, ist aber Eigeninitiative vonnöten, denn in diesem ungestümen Dickicht aus konstantem Gekreische und tosendem Instrumental-Sturm könnte Frontfrau Nadine auch ein Rezept für ein traditionelles Gericht zum Besten geben, ohne dass es auffallen würde. Bis man das Textblatt in den Händen hält und feststellt, dass sie genau das in "Kartoffelstampf à la Mäusle" tut, haben die zwölf Minuten Spielzeit aber sowieso alle Zweifel aus dem Gehörgang gefegt. Neben solchem Unfug gibt es aber nicht nur in Klatsche eine solche, denn auf "Gartenzwerge unter die Erde" bekommen patriarchale Macker, Spießbürger, Polizisten und Traditionen gleichermaßen ihr Fett weg. Um so unmissverständliche Ansagen wie „Die Kastration bis zur Revolution/ Wäre 'ne ernsthafte Option“ verdaulicher zu inszenieren, können Rezepte und halbironische Lobeshymnen an den Onlinehandel den fäusteballenden Unterton etwas besänftigen. Musikalisch schürft sich die Band, zu der auch der ehemalige VISIONS-Mitarbeiter Philipp Oppenhäuser gehört, aber schon im Opener und Titeltrack alle Extremitäten auf, um sich nach kurzem Innehalten nach und nach die gesamte Haut abzuziehen. Ähnlich kompromisslos stürmen auch die restlichen knapp einminütigen Songs zwischen Blastbeats und knackigen Punkriffs nach vorne. Dafür, dass Rauchen ihr Songwriting selbst eher als „Glückgriff“ denn als handwerkliches Können bezeichnen, geht ihr Debüt ziemlich an die Substanz – für Konservative auf eine äußerst negative, für alle anderen auf bestmögliche Weise.

Bewertung: 8/12

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