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0 Autor: Britta Helm

Ilgen-Nur - Power Nap

Power Nap

Generationen sind tot, es lebe unsere verwirrende Zeit. Ilgen-Nur macht den dazu passenden schläfrigen Hellwach-Gitarrenpop.

Gleich zu Beginn singt die aus Schwaben stammende Hamburgerin in Berlin im traumhaften Über- und Eröffnungs-Song "In My Head", sie sei noch nie in New York City gewesen und spaziert dann im Video dazu aber mitten durch die Stadt, also was noch glauben? Dass "Power Nap" eins der Alben des Jahres ist. Bettdeckenweicher Gitarrenpop mit Referenzen an Shoegaze, Noise und eine gewisse Surfigkeit, das Beste von den 90ern bis jetzt und so eingängig wie ein Sonntagmorgen, gegen den man sich nicht wehren kann: „Honey, I’m butter on toast“. Beste erste Zeile des Jahres, die Ilgen-Nur Borali da mit ultimativer Träumerinnenstimme singt, um dann in "TV" das Drama auszusprechen, das wir alle gerne leben würden: „But I could be anyone/ I could be having fun“. Zwei Jahre nach der auf Kassette erschienenen EP "No Emotions" bringt Ilgen-Nurs Debütalbum auf den Punkt, was wir spätestens seit den ganzen Serien ahnen: Das mit den Generationen ist jetzt auch hinfällig, in diesem Sumpf aus Großstadtgefühlen, Verpassensängsten und Teilverweigerung stecken wir längst zusammen. Aber trotzdem: „Don’t take the easy way out“. Ilgen-Nur kann nicht nur sanft, sie kann auch sehr eindringlich. Und überhaupt geht es bei diesem angeblichen Slackertum eben darum, dass nicht jeder hergelaufene Honk ihre Skills hat, was tiefe Einsichten, Reisehymnen und Gitarrespielen im Liegen angeht: Schlechte Musik macht, dass man denkt, man kann es besser. Gute Musik macht, dass man es genauso machen will. Die beste Musik macht, dass für den Moment einfach mal alles gesagt ist.

Bewertung: 10/12

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