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0 Autor: Juliane Kehr

Press Club - Wasted Energy

Wasted Energy
  • VÖ: 16.08.2019
  • Label: Hassle/Bertus/Membran
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 318 - Platte des Monats

Die Australier um die stimmgewaltige Natalie Foster strotzen vor Energie und schicken ihrem Debüt nur wenige Monate später das zweite Album hinterher. Das lenkt ihren zügellosen Punkrock in ausgefeiltere Bahnen.

Stilistisch knüpft "Wasted Energy" nahtlos an "Late Teens" an, das in Europa Anfang 2019 und damit ein Jahr später als in der Heimat der Band erschien. Klanglich und textlich ist bei den im Woodstock Studio in Melbourne aufgenommenen neuen Songs trotzdem einiges anders. Schon mit den ersten Tönen des Openers "Seperate Houses" merkt man, dass Foster an ihrer Gesangstechnik gefeilt hat. Sie schöpft zielgenauer aus der Vielfalt ihres kraftvollen Stimmumfangs, spannt die Bögen hin zum stimmlichen Ungestüm weiter und auch der Rest des Quartetts ordnet sich dieser neuen Dynamik unter, die mehr Zwischentöne hörbar macht: Der dominante Bass von Iain MacRae leitet zuverlässig durch die Akkorde, hin zu den fast schon poppigen Melodien, die den Charme der jungen Band ausmachen. Foster selbst steht in jedem Song über den klanglichen Dingen, sie will gehört werden, und kaum eine Stimme wäre dafür besser geeignet als ihr kerniges, in seiner kompromisslos fordernden Art an Sängerinnen wie Brody Dalle erinnerndes Timbre.

Textlich nennt sie die Dinge noch deutlicher beim Namen als in den Songs des Debüts. Dieses neue Selbstvertrauen hat sie während des eng gestrickten Tourplans des bisherigen Jahres auf den kleinen und großen Bühnen der Welt errungen. Die Live-Präsenz von Press Club ist es auch, die nach einem neuen Album verlangte, waren bisher doch einfach nicht genug Songs für die so oft geforderten Zugaben übrig. Statt Atempause hieß es wie für das Debüt, so viele Songs zu schreiben wie möglich und dann die besten zu einer zweiten Platte zu bündeln: In "Thinking About You" singt Foster ungefiltert von ihrer Erfahrung mit einem Stalker, in "Behave" bietet sie in scharfem Tonfall und mit Zeilen wie "Behave, behave just like you should/ Behave, behave just like a woman" den ungesunden Erwartungen der anderen an die eigene Person die Stirn.

Wie sehr Press Club darauf bedacht sind, Songs zu schreiben, die ihre Energie auf der Bühne einfangen, zeigt "New Year's Eve", das in zweieinhalb Minuten keinen Stein auf dem anderen lässt und sogar Zeit findet, Fosters Stimme für einen kurzen Moment ins Falsett gleiten zu lassen, bevor Kraft und Wut wieder zu den treibenden Instanzen hinter dem unbedarft polternden Sound der Band werden. Mehr Intensität bei weniger Tempo bringt dann "Same Mistakes" mit sich, in dessen Bridge Foster zu einer einzelnen Gitarre plötzlich ganz leise und zart davon singt, wie es ihr das Herz bricht, dabei zusehen zu müssen, wie eine geliebte Person die gleichen Fehler wieder und wieder macht, nur um sich dann mit einem Crescendo und unterlegt durch eine zweite Stimme in kraftstrotzende Höhen zu schrauben. Von dort oben haben Press Club einen guten Blick auf die Welle fantastischer, junger Bands aus Australien, auf der sie, dank dieses zweiten musikalischen Clous, ganz vorne mitsurfen.

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