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Föllakzoid - I

I

Föllakzoid schneiden von Album zu Album mehr Fett an ihrem Sound ab. Dieser Radikalkur ist auf ihrem neuen Album auch ihr Sänger zum Opfer gefallen.

Mit "I" beginnt beim Duo Domingae Garcia-Huidobro und Diego Lorca eine neue Zeitrechnung. Nach "Föllakzoid", "II" und "III", zählen die beiden Chilenen jetzt neu. Musikalisch ergibt das Sinn, denn "I" ist weit vom psychedelischen Desert-Kraut ihres 2009er Debüts entfernt. Zusammen mit dem deutschen Produzent Uwe Schmidt, der schon lange in Chile lebt und von dort aus als Señor Coconut und Atom TM das Erbe von Kraftwerk verwaltet, haben sie vier Songs aufgenommen, die weder Anfang noch Ende haben. Konsequenterweise sind die jeweils über zehn Minuten langen Stücke durchnummeriert. Ihre Basis ist ein pulsierender Beat, dessen Motorik längst in der Technologie der elektronischen Musik aufgegangen ist. Lorca spielt sein Schlagzeug zwar analog, aber die höchste Form der Variation, die er seinem Spiel erlaubt, ist eine Hi-Hat, die kurz geöffnet und wieder geschlossen wird, oder ein schneller Wirbel auf dem Rand seines Stand-Toms. Darüber legt Gitarrist Garcia-Huidboro verhallte Gitarren und knisternde Synthesizer, die mal an Michael Rother, mal an die Tortoise der "Millions Now Living..."-Ära erinnern. Das ist so spannungsreich wie entspannend und trägt einen mit zunehmender Spieldauer immer weiter vom nervigen Alltag weg. "I" ist eine Form von Trance, die normalerweise mit Techno verbunden wird. Ähnliche Experimente versuchten vor mehr als zehn Jahren 120 Days, die Norweger blieben bei ihrem Versuch allerdings auf halbem Weg im Post-Punk stecken. Für Föllakzoid dagegen heißt es zukünftig eher After- als Rock-Hour.

Bewertung: 8/12

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