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0 Autor: Toby Schaper

Opeth - In Cauda Venenum

In Cauda Venenum
  • VÖ: 27.09.2019
  • Label: Nuclear Blast/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 319 - Schönheit der Ausgabe

Auf ihrem 13. Album haben die Schweden die Balance aus polyrhythmischen Progrock-Abfahrten, goldener Grandezza und Folk-Versatzstücken erstmals perfekt austariert.

Kaum eine Band hat so eine spektakuläre Metamorphose durchlebt wie Opeth. Vor fast 30 Jahren gegründet, um nach eigener Aussage die "härteste und böseste Death-Metal-Band von allen" zu werden, sind sie heute einer der international anerkanntesten Vertreter des Progressive Rock. Der größte Schritt bei dieser Verwandlung war sicher das Album "Heritage" von 2011. Erstmals blieben sämtliche Death-Metal-Elemente außen vor, und Opeth tauchten tief in den Progressive Rock der 70er ein. Allerdings blieb es zunächst bei einer Stilübung. Der Fokus lag mehr auf einer Gesamtästhetik aus Texten, Cover und einem komplett analogen Sound als auf schlüssigen Songs. "In Cauda Venenum" macht jetzt allerdings alles richtig, es scheint, als habe Mastermind Mikael Åkerfeldt die vergangenen drei Jahre dazu genutzt, bis ins kleinste Detail an diesem Werk zu tüfteln: Die Reise beginnt mit dem Instrumental "Garden Of Earthly Delights", einer Mischung aus Krautrock und italienischem Horrorfilm-Soundtrack, die einen atmosphärischen Teppich auslegt. "Dignity" fasst gleich zu Anfang alle Stimmungen von harter Doublebass-Attacke über akustischen Folk bis zu Neo-Prog im Stil von Marillion oder IQ und Pink Floyd-Chören zusammen. "Lovelorn Crime" ist im Opeth-Kosmos fast schon eine klassische Power-Ballade, gekrönt von einem Wind-in-den-Haaren-Gitarrensolo - doch auch hier bewahrt die wehmütige Atmosphäre und Ernsthaftigkeit die Band davor, dass es in Richtung Kitsch kippt. Bevor es zu gemütlich wird, grätscht dann auch "Charlatan" mit heftigster Polyrhythmik dazwischen - das ist Meshuggah in Sepiafarben. "Universal Truth" ist eine perfekt ausformulierte Mini-Rockoper im Stil von "Bohemian Rhapsody" und demonstriert einen neu gewonnenen Mut zu großen Gesten und Opulenz. "The Garrotter" beginnt mit Flamenco-Gitarren, die an Rushs "La Villa Stragiato" erinnern, und wandelt sich dann zu dunklem Bar-Jazz mit Besenschlagzeug. Apropos Rush: Wie den kanadischen Übervätern gelingt es auch Opeth, ausladende Stücke so schlüssig zu arrangieren, dass sie viel kürzer erscheinen. Lediglich "Next Of Kin" nimmt vielleicht eine Wendeltreppe zu viel. Tatsächlich sind Opeth hiermit auf dem Weg, die Lücke zu füllen, die Rush hinterlassen haben. Das Album gibt es auch in einer schwedisch gesungenen Version, die zu empfehlen ist, weil sie zusammen mit den eingestreuten, verhallten Dialogfetzen die unwirkliche Atmosphäre dieses rätselhaften Albums noch verstärkt.

Leserbewertung: 9.0/12

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