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0 Autor: Markus Hockenbrink

Julia Shapiro - Perfect Version

Perfect Version

Trübsal, mundgeblasen. Wenn die Seele seufzt und das Bett der beste Ort für den Rest des Tages ist, will dieses Album mit unter die Decke.

Julia Shapiro ist normalerweise die Sängerin und Gitarristin von Chastity Belt, einer leicht kratzbürstigen Schrammelrockband aus Washington State. Deren jüngstes Album hieß "I Used To Spend So Much Time Alone", war bereits ein kleines Indoor-Festival für sich und zeigte Shapiro als trockene Texterin, die aus kleinen Alltagsbeobachtungen bewohnbare Songwelten baute. Inzwischen verbringt die Musikerin offenbar einmal mehr Zeit mit sich selbst, denn "Perfect Version" entstand im Alleingang und im Gefolge von Depression und Erschöpfung. Auf den zehn neuen Songs widmet sich die Sängerin nun der Selbstanamnese, und je nach eigener Lebensanschauung kann man das Resultat entzückend intim oder auch ganz schön dröge finden. Shapiros Lieblingsgesangsstil ist eine Art abgeklärtes Nuscheln, das die Niedergeschlagenheit sehr gut rüberbringt, aber auch nicht ohne Humor ist. So wie man manchmal über sich selbst lachen muss, wenn man sich dabei ertappt, gerade zwei Stunden auf dem Boden gelegen und den Tisch von unten betrachtet zu haben, geht es einem auch hier. „Did I ever feel okay/ Or was I just lying?“ Interessante Frage. Die Zweifel sind auf dieser LP so umfassend, dass man es sich direkt gemütlich machen kann mit ihnen. Die bequemste Kuschelecke gibt "Shape" ab, vier fadenscheinig schwebende Minuten, auf denen Shapiro mit ihrer eigenen Stimme Verstecken spielt und genau das verwirklicht, was der Albumtitel eher sarkastisch in Aussicht gestellt hat: die perfekte Version von etwas, was auch ansonsten schon ziemlich gut ist.

Bewertung: 8/12

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