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0 Autor: Toby Schaper

Possessed - Revelations Of Oblivion

Revelations Of Oblivion
  • VÖ: 10.05.2019
  • Label: Nuclear Blast/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 315

Eine der längsten Veröffentlichungspausen der Musikgeschichte endet mit einem erstaunlich zeitgemäßen Death-Thrash-Album.

Eine skurrile Fußnote der jüngeren Musikgeschichte ist, dass Larry LaLonde, Gitarrist der fröhlichen Freak-Funk-Band Primus, zu den Erfindern des Death Metal gehört. Er spielt nämlich auf dem legendären Debüt von Possessed "Seven Churches" von 1985 und posiert blutbeschmiert auf dem Backcover. Der Abschlusstrack darauf nennt sich "Death Metal" – eine perfekte Bezeichnung für den infernalischen Radau. 1987 trennt sich die Band, 1989 wird Sänger Jeff Becerra bei einem Überfall angeschossen und sitzt seitdem im Rollstuhl. Nichtsdestotrotz hat er nie den Glauben an die Musik verloren und ist jetzt, 32 Jahre nach der EP "The Eyes Of Horror", das einzig verbliebene Originalmitglied, Motor und Spiritus Rector der wiederauferstandenen Band. Ironischerweise ist gerade er der Schwachpunkt des Comebacks, denn seinem heiseren Schimpfen mangelt es an Dynamik und Präzision. Das ist aber nur ein kleiner Makel an einem fulminanten Riffgewitter, das eher am brutalen Thrash von Bands wie Legion Of The Damned, Exhorder oder Demolition Hammer orientiert ist als am klassisch schweren Death Metal. Sensationell sind vor allem die rasanten Gitarren und wahnwitzigen Solos – die Produktion von Hypocrisy-Mastermind Peter Tätgren setzt sie perfekt in Szene und schafft eine ideale Balance aus Oldschool-Wärme, modernem Druck und schönen Reminiszenzen wie den anachronistischen Roto-Toms und vereinzelten Horrorfilm-Sounds. All das ergibt ein sympathisches Massaker, dass zwar kein bisschen bedrohlich oder radikal erscheint, aber dafür unterhaltsam durchläuft.

Bewertung: 8/12

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