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0 Autor: Carsten Sandkämper

Big Brave - A Gaze Among Them

A Gaze Among Them

Kurz bevor sich das musikalische Konzept in Details zu verlieren droht, besinnen sich Big | Brave zurück auf ihre Wurzeln im Primitivismus und Noise. Das Ergebnis ist düster, schroff und apokalyptisch. Ein Glück.

So ergreifend "Ardor" auch ist, so kalkuliert klingt das Album von 2017 im Vergleich zu "A Gaze Among Them". Das New Yorker Trio aus Sängerin und Gitarristin Robin Wattie, Gitarrist Mathieu Ball und Schlagzeuger Noel Campbell hat sich für die Stücke dieses Albums wesentlich weniger Grenzen gesetzt, was den Verlauf eines Stückes angeht. Man hört die Suche nach einem Fundament aus einfachen Akkorden und einem gemeinsamen Weg, der möglichst nicht von Wechseln unterschiedlicher musikalischer Patterns unterbrochen wird. Minimalistischer Flow und das Durchhalten ebensolcher Strukturen stehen im Mittelpunkt des Albums. Big | Brave sind so etwas wie die musikalische Entsprechung des Brutalismus in der Architektur: Einerseits geht es der Band um grenzenlose Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, zu ihren Möglichkeiten und ursprünglichen Zielen, ganz so wie Le Corbusier über seinen bevorzugten Baustoff Beton sprach. Andererseits steht das Album mit seinen monolithisch heftigen Stücken, deren stoische Verläufe eine Art Hypnose erzeugen, dominant im Raum und verdrängt so ziemlich alles andere aus der direkten Wahrnehmung. Gleichzeitig erhebt die Band mit "A Gaze Among Them" die akustische Übersteuerung in mehreren Songs zur Kunstform. Hier und da ist das schwer zu ertragen, aber das ist offensichtlich gewollt. Das kürzeste und fast schon kontemplative Stück "This Deafening Verity" wäre im Grunde der bessere Namensgeber für die Platte gewesen.

Bewertung: 8/12

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