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Periphery - Periphery IV: Hail Stan

Periphery IV: Hail Stan

Vier-Ohren-Test

Periphery sind über ihren Sound und die Persönlichkeiten ihrer Mitglieder eine eigene Marke geworden. Die ist schon seit Beginn der Band nur gedacht für eine Generation von Tech-Musiknerds, die in Internetforen über Homerecording-Software diskutieren, Plug-ins empfehlen und virtuelle Konfigurationen für Verstärker-Simulatoren programmieren, während sie Djent-Rhythmen per Zufallsgenerator generieren. Dafür erntet man von Analog-Puristen nur Spott – aber der kann einem nichts anhaben, wenn es Protagonisten wie Misha Mansoor und seine Kollegen gibt, die das als größte Vertreter der Szene mit unfassbarem Talent und genauso viel Selbstironie an sich abprallen lassen. Ihr fünftes Album "IV" (ha!) eröffnet deshalb gleich mit dem 16-minütigen "Reptile", eine Reminiszenz an den genauso ausufernden Debüt-Closer "Racecar". Allein der vereint die komplexen Rhythmen im Hauptriff mit Peripherys Brutalo-Grooves, die "II" so präsent hat, sowie mit dem opulenten Computer- Orchester, das auf dem "Juggernaut"-Doppelalbum besonders viel Verwendung findet. Melodisch waren Periphery schon mal ausgefuchster: "It’s Only Smiles" und "Satellites" wirken neben früheren Highlights wie "Scarlett" und "Pale Aura" etwas eingefahren, dafür glänzt Sänger Spencer Soleto insbesondere in "Sentient Glow" mit seinem Klargesang und mit tiefsten Growls im extrem harten "Blood Eagle". Den Quasi-Dubstep ohne Drop von "Crush" hätten sich Periphery sparen können. Aber sie sind sich nun mal für keinen Witz zu schade.

Gerrit Köppl 8/12

Hier kommt was zusammen: ausgestellte Virtuosität, Sportgitarren, schmalziges Pathos – nur nichts Packendes. „Wer fängt ein Album schon mit einem 16 Minuten langen Song an?“ Der Witz ist gut, Mark Holcomb. Nur fällt die Antwort darauf beim Hörer vermutlich anders aus, als es sich der Periphery-Gitarrist erhofft. Der Opener "Reptile" funktioniert auf ihrem fünften Album mit dem Was-haben-wir-gelacht-Titel "Hail Stan" wie ein Gatekeeper. Wer an ihm vorbeikommt, verfügt über einen Panzer, der gegen glitschigen Schmalz, mit zig Arabesquen verzierte Brachial-Riffs und Erzählstimmen-Geraune immunisiert. Oder er spielt in einer Band, dann gehört er eh zur Kernklientel von Periphery. Jeder Part, jedes Riff, jeder vermeintlich überraschende Einfall auf "Hail Stan" wartet darauf, von den Jüngern der Band seziert zu werden. Für die meisten anderen klingt das, was Periphery mit gleich drei Gitarren fabrizieren, als würden sie ihre Riffs mit der Makita spielen oder hätten sie in der Gitarrenschule von Tin Machines Reeves Gabrelss gelernt. Was ja aufs Gleiche rauskommt. Stolz spricht das Quartett davon, sich das erste Mal ein ganzes Jahr Zeit für ein Album genommen zu haben. Man muss sie dafür bedauern, dass ihnen dabei nicht mehr eingefallen ist als gegenseitige Selbstüberbietung. Ein guter, stringent konzipierter, nicht unnötig vollgestopfter Song ist dabei nicht rumgekommen, daran ändert auch die käsige Ballade "Satellites" zum Ende nichts. Periphery sind ein Band-gewordenes Gimmick.

Florian Schneider 4/12

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