Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Britta Helm

Defeater - Defeater

Defeater
  • VÖ: 10.05.2019
  • Label: Epitaph
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 314 - Schönheit der Ausgabe

Jay Maas ist weg, Will Yip ist da. Den Sound von Defeater ändern die Personalien spürbar, aber die Saga geht weiter.

"Jetzt kann ja nur noch der Hund kommen", kommentierte ein Fan nach der Veröffentlichung des Vorgängers, aber auch auf Defeater geht es wieder allzu menschlich zu. Wie er die Nachkriegs-Familiengeschichte um zwei Brüder, ihren Alkoholikervater, die drogensüchtige Mutter und den katholischen Priester, mit dem sie eine Affäre hat, weiterspinnt, führt Derek Archambault in VISIONS 315 aus; das zwischenzeitliche Happy End der Band steht jetzt schon fest. Gitarrist Jay Maas, der die Band kurz nach der Veröffentlichung von "Abandonment" verließ, ist ersetzt durch den in Berlin lebenden Australier Adam Crowe, dessen Band Miles Away wiederum schon mit Maas im Studio stand. Nach dessen Abgang und Songwriting-Sessions über die Kontinente hinaus trafen sich die neu formatierten Defeater vier Jahre später im Studio von Yip, um ihr fünftes Album aufzunehmen. Wer Yip nicht kennt, hat in den vergangenen Jahren Post-Hardcore nicht aufgepasst, während Profis ihn direkt am neuen Sound erkennen: Archambaults Gebrüll rückt auf Defeater ein Stück in den Hintergrund, während die Gitarren und Joe Longobardis wütendes Schlagzeug übernehmen. Nicht nur deshalb erinnert das neue Album stärker an Kollegen wie La Dispute oder Touché Amoré. Defeater will auch gar nichts anderes sein als verzweifelter, heftiger Post-Hardcore. Wenn es klingt, als werde Archambault von einer Welle nach der nächsten mitgerissen und wieder ausgespuckt, dann passt das schließlich nur zu gut zu seiner Saga, die von kaputten Familien, dem Alkohol und anderen Teufeln handelt. Wo andere Bands herumexperimentieren und dabei auch mal scheitern, bleiben Defeater verlässlich – ihre Themen sind schließlich verstörend genug: "We're all dying on a line/ No god there to hear our plea". Da kann man sich schon mal mit aller Wucht in Songs werfen, die bei aller Liebe zum Flanellhemd keine Zeit für Gefühlsduselei haben und sich bei aller Dringlichkeit nicht in Hardcore verrennen. Stattdessen: große Melodien, große Ausbrüche. Warum ausgerechnet dieses Album ihr vielsagend selbstbetiteltes geworden ist, hat die Band bislang nicht erklärt, sondern nur angedeutet, dass die lange Pause seit dem Vorgänger eher mit persönlichen Problemen als mit Däumchendrehen zu tun hatte. In ihrer Musik muss sich wieder die Familie damit herumschlagen, während Defeater selbst nur ein Stückchen mehr als sonst dahinter hervorlugen. Im Video zum Supersong "Mothers' Sons" stehen sie selbst im Rampenlicht – wo sie hingehören.

Leserbewertung: 9.0/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.