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0 Autor: Michael Setzer

Life Of Agony - The Sound Of Scars

The Sound Of Scars

Lustig, wenn ein Hund versucht, sich in den Schwanz zu beißen, die Lust verliert und trotzdem weitermacht. Traurig: Wenn Life Of Agony und ihr Emo-Metal der Hund sind.

Ja, ja, damals. Es war die Zeit von Brooklyn, Biohazard und den toughen Gorillaz, die sich auf die Brust hämmern und laut rumgockeln – raus mit den Emotionen am männlichsten Ende des Spektrums. Life Of Agony ducken sich zu Beginn der 90er geschickt weg und sprengen das Gehabe mit Innerlichkeit: Zweifel, Missbrauch und Selbstmord. Doch bevor das Jahrzehnt schlapp machte, war auch der Emo-Metal von Life Of Agony zu Ende erzählt. Sie haben sich selbst zerfleischt. Mittlerweile bei der zweiten Platte der zweiten Reunion angekommen, tut's wieder weh. Aber leider anders: "Lay Down, Black Heart" und "Scars" erwecken nicht den Anschein, Life Of Agony würden ernsthaft ihre Geschichte weiterschreiben oder ihr gar ein überraschendes Kapitel hinzufügen wollen. Über theoretisch gute Ideen kommen Mina Caputo & Co. auf "The Sound Of Scars" selten heraus – super Vers, mieser Refrain, Heavy-Quatsch-Geriffe von der Stange, tolle Bridge – irgendwas ist immer. Ausgerechnet im fürchterlich erzwungenen "Empty Hole" blitzt kurz ein Moment auf, da singt Caputo "This ain't the life I chose/ I'm not giving up/ No", und es klingt ausnahmsweise nicht so wie die Vorsteherin einer Revueband, die mal wieder "richtig rocken" will, sich aber leider seit Ewigkeiten nicht mehr für derlei Musik interessiert. Vielleicht ist das übermäßig kitschige "I Surrender" eine kleine Rettung am Ende. Jemand, der einen am Arm festhält, damit man nicht versehentlich vor die Stadtbahn läuft. Die Idee von damals: gerade noch so am Leben, irgendwie.

Bewertung: 5/12
Leserbewertung: 9.5/12

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