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0 Autor: Gerrit Köppl

Pkew Pkew Pkew - Optimal Lifestyles

Optimal Lifestyles
  • VÖ: 01.03.2019
  • Label: Big Scary Monsters/Alive
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 312 - Schönheit der Ausgabe

Nach dem Super-Suff auf dem Debüt erwartet Pkew Pkew Pkew das verkaterte Erwachen. Die Welt meint es nicht gut mit den Kanadiern, das sprechen sie auch an. Doch den sensationellen Humor kann sie ihnen nicht nehmen.

„We are getting drunk before we go out drinking/ That is the best part of our night“ – nur einer von zahlreichen zitierbaren Versen auf Pkew Pkew Pkew von 2016, auf dem die Band selbstironisch einen Abend von nie ganz erwachsen gewordenen Männern um die 30 dokumentiert. Sie spielen in einer Band, ärgern damit die Nachbarn, fliegen beim Skaten aufs Maul – und schlagen im Bonustrack zum Schluss doch ernste Töne an: „I could suffer through life or have fun ’til I die“. 2019 eröffnet "Optimal Lifestyles" mit "Still Hanging Out After All These Years", und wenn Sänger Mike Warne heute davon singt, wie er und seine Freunde sich so richtig abschießen, nimmt das tragische Gestalt an. Nicht musikalisch: Pkew Pkew Pkew haben ihren euphorischen Schrammelpunk ordentlich ausgebaut. Aus dem geradlinigen Drei-oder-vier-Akkorde-Schema wird etwas größeres, das in mächtigen Songs wie "Passed Out" und "Point Break" mit seinem Saxofonsolo an laute The-Hold-Steady-Hymnen erinnert. Da schließt sich der Kreis zu den Texten, denn deren Frontmann Craig Finn war bei der Vorproduktion des Albums dabei und hat mit Warne an der Lyrik gefeilt. Herausgekommen sind direkt aus dem Leben gegriffene Erzählungen wie "Adult Party", wo Warne als hängengebliebener Trunkenbold auf einer zwanglosen After-Work-Feier den Verstand verliert, weil außer ihm alle mit beiden Beinen im Leben stehen und er schließlich die vierte Wand durchbricht, um seinen Frust an seinem Publikum auszulassen („Rich kids go fuck yourselves/ If there’s some in the audience go somewhere else“). Einen Song später (der Abschluss "Thirsty And Humble") trinkt er mangels Geld in der Tasche Billigbier in dunklen Gassen und denkt darüber nach, ob sein virtuelles Leben im Western-Videospiel Red Dead Redemption nicht das bessere oder angesichts des auf seinen Avatar ausgesetzten Kopfgeldes doch ähnlich mies ist wie das echte. Die bittere Ernsthaftigkeit lockert er mit solchen Bildern und anderen ulkigen Einschüben auf. Ein kompletter Song handelt etwa davon, wie ein hibbeliger Warne im Tour-Van darauf besteht, auf der Fahrt nach einem Wolf zu suchen. Und Zeilen wie die darin enthaltene „longing to run free and skip soundcheck“ verpuffen im Gesamtkontext nicht nur als plumpe Punchlines. Bei Pkew Pkew Pkew läuft es wie bei Fidlar: Sie fallen böse hin, lachen drüber und schleppen sich weiter. Kein optimaler Lifestyle, aber die Kunst, die daraus entsteht, ist fantastisch.

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