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Stephen Malkmus - Groove Denied

Groove Denied

Vier-Ohren-Test

Wenn alte Männer in Technoclubs gehen, sollten die Alarmglocken schrillen. Stephen Malkmus schrillt zurück. Als er noch in Berlin lebte, ging der Ex-Pavement-Mann angeblich gerne in den einschlägigen Clubs feiern und brachte neben einem Brummschädel auch musikalische Ideen mit, die er seiner neuen Band The Jicks nicht zumuten wollte. Aus den Expeditionen sind die zehn Stücke auf "Groove Denied" geworden, das die übliche Nebelkerze vom Indie-Musiker zündet, der sich neu erfindet. In Wirklichkeit ist die Platte durch und durch Malkmus, also verschroben, etwas linkisch und lustig auf die Art und Weise, wie es Songzeilen wie „Your eyes are like a present/ From a peasant“ sind. Mit der Elektronik ist es dabei gar nicht mal so weit her. Songs wie "Belziger Faceplant" oder "Victor Borgia" spielen ein bisschen mit Synthies, Drums und verfremdetem Gesang aus den frühen 80ern herum, doch spätestens bei "Bossviscerate" sitzt man wieder dem gemütlichen Indierock auf dem Schoß. Dass Malkmus diese Platte (genau wie die Von-Spar-Kooperation vor fünf Jahren) nicht an die große Glocke hängt, hat nichts mit der Qualität der Songs zu tun, erfrischt aber auf die Art einer gelungenen B-Seite. "Groove Denied" ist unglaublich locker aus dem Ärmel geschüttelt, und die Freiheiten, die sich der Musiker dabei nimmt, vermitteln sich auch dem Hörer. Neubegegnungen mit alten Bekannten an ungewohnten Orten sind schließlich so rar wie ein Lieblingslehrer, den man 20 Jahre später auf der Rollschuhbahn trifft.

Markus Hockenbrink - 8/12

Der Ex-Pavement-Frontmann wollte eine DIY-Synth-Platte machen. Dann ist ihm der Lötkolben durchgeschmort. Es ist nachvollziehbar, warum man bei Stephen Malkmus’ Label Domino nicht vor Freude an die Decke gesprungen ist, als der Musiker die Idee vortrug, ein Elektroalbum veröffentlichen zu wollen, so nach 80s-Synthie-Pop-Art. Doch auf derlei Abenteuer von ihm hat wirklich niemand gewartet. Unangenehmerweise hat ihn aber auch niemand davon abgehalten, dieses idiotische Unterfangen in all seiner kirremachenden Stümperhaftigkeit durchzuführen. Gelernt habe er von seinen Kids und deren Ipad-Spielen, die ganz intuitiv Welten gestalten. Malkmus gestaltet jetzt Sounds. Im Rumpf mag da etwas krautige Proto-Elektronik stecken, aber darauf türmt er vor allen Dingen: Unsinn, Gedengel, Sound-Gekröse. "Groove Denied" ist schon ein bezeichnender Titel, denn: Da groovt nichts. Es wabert und schwurbelt höchstens. Immerhin: Wer den Opener "Belziger Faceplant" übersteht, der hat das Schlimmste überstanden. Das Stück beginnt wie die Blue Man Group auf Crystal Meth; der Autotune-Ausrutscher darin ist … äh… tragisch. Aber zwischen Fred vom Jupiter, Stereo Total und Kraftwerk soll es ja ein paar Menschen geben, die naiver Computer-Musik etwas abgewinnen können. Inkonsequenterweise biegt die Platte auf halber Strecke und langfristig zu den windschieferen Momenten des Pavement-Indierocks ab, was den restlichen verbeulten Elektroschrott trotzdem nicht vorm Abschmieren rettet.

Jan Schwarzkamp 3/12

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