Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Frederik Tebbe

Nathan Gray - Live in Wiesbaden / Iserlohn

Live in Wiesbaden / Iserlohn

Eine beeindruckende Offenbarung in einer Kirche und einer Tropfsteinhöhle – "Live In Wiesbaden/Iserlohn" bringt Nathan Gray wieder ein Stück zurück in die Spur.

Es war in den vergangenen Jahren nicht leicht, Fan von Nathan Gray zu sein. Nahezu sprunghaft gründete der Boysetsfire-Sänger neue Projekte und ließ sie sogleich wieder fallen, schrieb Bücher, gab sich als satanischer Prediger und machte islamophobe Statements. Dass das alles Teil der eigenen Vergangenheitsbewältigung war, konnte keiner ahnen – und Gray selbst hat sein Soloalbum "Feral Hymns" gebraucht, um gesund damit umzugehen. Gray ist als Kind in der Kirche sexuell missbraucht worden. Darüber spricht er offen auf seinem atmosphärischen Doppel-Livealbum, auf dem er "Feral Hymns"-Songs spielt, aber auch auf Gitarre und Cello reduzierte Lieder aus seinem übrigen Schaffen. So wird aus "Live In Wiesbaden/Iserlohn" ein kathartischer, beklemmender und feierlicher Akt, der es vor allem seiner Ansagen wegen in sich hat. In seinen als Invocation betitelten Redepausen gerät Gray zwar häufig ins Dozieren, er gibt aber auch aufrichtige Erklärungen über sich und sein Verhalten in den vergangenen Jahren ab. Angesichts der schweren Inhalte wie Depressionen und Angst bricht seine Stimme hin und wieder hörbar in den Ansprachen und Stücken, Echoes muss er sogar einmal abbrechen. Durch all das werden die beiden Mitschnitte – die weitgehend über die gleiche Setlist verfügen – zur offenherzigen Momentaufnahme eines Musikers, dem diese innere Reinigung ein spürbar dringendes Anliegen ist. Für die beiliegende DVD wurden die Shows vor den beeindruckenden Kulissen der Wiesbadener Ringkirche und der Dechenhöhle in Iserlohn zudem gefilmt.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.