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0 Autor: Jakob Uhlig

Hi! Spencer - Nicht raus, aber weiter

Nicht raus, aber weiter

Wer den kommerziellen Niedergang von Rockmusik mit Sorgenfalten betrachtet, wird nach dieser Platte begreifen, dass die wahren Probleme anderer Natur sind.

Dass eine Band wie Hi! Spencer das neue aufstrebende Aushängeschild des deutschen Indierocks wird, kann nämlich niemand ernsthaft wollen. Um das Egalste an "Nicht raus, aber weiter" gleich abzuhaken: Die Instrumentals dieses Albums schmiegen sich nahtlos an Genre-Konsorten wie Kettcar und Jupiter Jones an und bleiben konstant durchsichtig. Wenn die musikalisch aufregendsten Momente in einem Gähner wie "Der Küchentisch" tatsächlich durch poppig-pathetische Background-Chöre entstehen, ist das selten ein gutes Zeichen. Richtig schlimm wird diese Platte aber durch ihre Texte, die durchgängig auf die Tränendrüse drücken und Geschichten von Liebe und Zerrissenheit erzählen wollen, dabei aber nicht über hohle Phrasen auf Max-Giesinger-Niveau hinauskommen: „Angst ist ein Magnet/ Angst ist ein Magnet/ Lass mich bitte einfach gehen/ Angst ist ein Magnet“. Wer in diesem repetitiven Zeilengedresche nicht irgendeinen Bezug zu seinem eigenen Dasein findet, ist in seinem Leben jeglichen Emotionen konsequent aus dem Weg gegangen. Gerade weil dieser lyrische Leeraussagen-Karneval aber für wirklich jeden einen Ankerpunkt der Identifikation darstellen könnte, wird er so frappierend nichtig. Das Muster des andauernden Blanko-Gefühls ist spätestens in "Wo immer du bist", einer Schmalz-Hymne an den Max Mustermann in unserem Gegenüber, nicht mehr zu ertragen: „Wo immer du bist, ich werde da sein/ Halt dich daran fest/ Bin wie ein Leuchtturm, der den Weg weist/ Solange du mich lässt“. Bitte nicht.

Bewertung: 3/12

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