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0 Autor: Martin Iordanidis

Therapy? - Cleave

Cleave

Es gibt mehrere Begriffe für den Eindruck, den Therapy? mit ihrem neuen Album hinterlassen. Anachronismus ist ein netterer, Wendeverlierer der gemeine.

Neues Album, neues Label. Mal wieder. Und dann die rituelle Verbrennung eines Stuhls – ahnt die Band, wie es um ihren Platz im heutigen Musikgeschehen steht? Der Stammplatz in der Geschichte des cooleren 90er-Alternative ist dem Trio nach ihren Heydays zweifellos sicher. Aber in der Gegenwart wird es bei der Reise nach Jerusalem schnell eng für Andy Cairns, Michael McKeegan und Neil Cooper. Das seichte "Lalala" im Refrain von "Callow" wird durch das dahinter gezimmerte Chöre-Sperrholz nicht gerade zum dicken Brett. Hooks wie diese sind heute im Dutzend auf nach Melodien heischenden Punkrock-Alben zu hören. "Crutch" wird den Suffgestank eines Irish Pubs bis zum letzten Takt nicht los. Das Spiel um die Laut/Leise-Dynamik in "I Stand Alone" mieft wie ein alter Hut, und das Betteln der stampfenden Bassdrum um klatschende Hände hat etwas Peinliches. "Disquiet" hatte vor drei Jahren noch einmal die Catchyness von "Troublegum" heraufbeschworen und auf diesem Weg auch funktioniert, weil Therapy? da eine ihrer authentischen Seiten ausgelebt haben. Das tun sie auf "Cleave" zwar auch, aber leider zu selten. Schräglagen und Riff- Ohrfeigen wie in "Success, Success Is Survival" drücken die ehrliche Wut darüber aus, es nicht mehr so leicht wie früher zu haben. Die angepisst bis verzweifelt klingenden Zeilen von Cairns holen zwar auch kein Hookline-Gold, lassen aber zumindest das Heischen nach der Vergangenheit sein. Therapy?s Platz heute: eine Eskalationsstufe unterhalb der dauerdystopischen Prong und immer eine Spur rauflustiger als Amplifier.

Bewertung: 7/12

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