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The Gaslight Anthem - The '59 Sound Sessions

The '59 Sound Sessions
  • VÖ: 15.06.2018
  • Label: Side One Dummy/Cargo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 304

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung von "The ’59 Sound" stellen The Gaslight Anthem ihrem Überalbum eine Platte mit frühen Songversionen und Raritäten zur Seite. Vielleicht hätten sie es besser gelassen.

Dieser Blick hinter den Vorhang einer der besten Punkrock-Platten des neuen Jahrtausends fällt eher ent- als verzaubernd aus: "The ’59 Sound Sessions" fanden in den Monaten vor den Albumaufnahmen statt, man rechnet also mit Unfertigem – aber nicht mit Grenzwertigem. Wenn im Titeltrack die zweite Gitarre einsetzt, erschrickt man: Ist die nicht sauber gestimmt, ging bei der Produktion was daneben, soll das so klingen? Das Phänomen wiederholt sich weniger arg in anderen Fan-Favoriten wie "Miles Davis & The Cool" oder "High Lonesome", dass Brian Fallon hier und da Töne versemmelt, hilft der Sache nicht. Das soll nahbar und sympathisch ungeschliffen wirken, neue Facetten aber entdeckt man nicht – sondern immer nur die Band von "The '59 Sound", die im Trainingslager ihrer späteren Weltklasseform entgegenschwitzt. Auch die drei Songs abseits des Bekannten kommen nicht über Mittelmaß hinaus: Nach Johnny Cash noch "God’s Gonna Cut You Down" zu covern, ist ohnehin ein hoffnungsloses Unterfangen, und dass der Band die B-Seiten-Qualität des unveröffentlichten "Placeholder" und des countryesken "Our Father’s Sons" bewusst gewesen sein könnte, deuten die eingestreuten "Old White Lincoln"- beziehungsweise "Great Expectations"-Zitate zumindest an. Was dem Album kaum gelingt, schafft das 60-seitige Fotobuch der Deluxe-LP-Version: Man entdeckt hinter dem Album-Mythos eine hungrige junge Band, die ein bisschen unbedarft und auch mal albern, aber voller Leidenschaft in das Abenteuer ihres Lebens aufbricht.

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