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0 Autor: Florian Zandt

Rise Against - The Ghost Note Symphonies, Vol. 1

The Ghost Note Symphonies, Vol. 1

Mit findigen und teilweise unerwarteten Neuinterpretationen bekannter Songs aus der Früh- und Spätphase ihrer Karriere überraschen die umtriebigen Politpunks nur ein Jahr nach "Wolves".

Zugegeben: Frontmann Tim McIlrath hat von Haus aus mehrere unfaire Vorteile gegenüber vielen seiner Genrekollegen. Immerhin gehört es für den Musiker mittlerweile zur leichtesten Übung, die kraftvollen Songs seiner Band im Live-Kontext mit enorm viel Fingerspitzengefühl aufs Wesentliche herunterzubrechen und ganz ohne Bandunterstützung wirken zu lassen. Zudem beherrscht McIlrath stimmlich nicht nur die raspelige Punk-Performance, er versteht sich ebenso gekonnt darauf, aus dem auf den ersten Höreindruck rohen Äußeren einen treffsicheren Melodiekern herauszuschälen. Nach Live-Exkursen bei eigenen Shows oder dem von Chuck Ragan initiierten Folk-Punk-Karneval The Revival Show folgt jetzt also die erste Akustik-Compilation, auf der sich die Band nach der Zusammenarbeit mit Alternative- und Metal-Produzent Nick Raskulinecz für ihre aktuelle Platte "Wolves" wieder mit Descendents-Schlagzeuger und Studio-As Bill Stevenson zusammengetan und im Blasting Room aufgenommen hat. Auffällig ist, dass es mit "Audience Of One" nur ein Song in die Tracklist geschafft hat, den McIlrath gerne und oft live akustisch spielt. Natürlich dürfen bei einer derartigen Retrospektive Hits wie "Like The Angel" oder "Savior" nicht fehlen, die sich nur mit Akustikgitarre und Streichern auch gut machen – wobei Rise Against bei ersterem leicht schummeln und einen minimalen E-Gitarren-Part hineingemogelt haben. Für ein richtiges Best-of liegt der Fokus auf "The Ghost Note Symphonies, Vol. 1" mit vier von zehn Songs allerdings zu stark auf dem aktuellen Album "Wolves". Da in diesem Format der Fokus aber ohnehin stärker auf McIlraths Texten und seinem Gesang liegt, ist das zu verschmerzen. Umso erfreulicher sind die kleinen Überraschungen, die Rise Against zwischen allerhand Streicherpassagen und dominanten, vor allem rhythmisch präsenten Gitarren versteckt haben: "Faint Resemblance" etwa, ein live fast nie gespielter Song vom Debüt "The Unraveling", beißt sich in seiner auf eine Ukulele und McIlraths Gesang reduzierten Form besonders hartnäckig fest. Das abschließende "Voices Off Camera" von der zweiten Platte Revolutions Per Minute sorgt mit seinem minimalistischen Piano und dem sachten Fade-out ins Nichts, passend zur Textzeile "I just need somewhere warm to close my eyes“", für die Gänsehaut, die "The Ghost Note Symphonies, Vol.1" von ähnlich gelagerten Platten abhebt. Da freut man sich schon auf den zweiten Teil.

Leserbewertung: 11.0/12

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