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0 Autor: Dennis Drögemüller / Britta Helm

Scars On Broadway - Dictator

Dictator

Vier-Ohren-Test

Das hier hätte ein System-Of-A-Down-Album sein können, nun ist es eine Soloplatte ihres Gitarristen. Hätten sich Sänger Serj Tankian und der Rest der Band auf eine weitere Album-Zusammenarbeit einigen können, wäre "Dictator" vielleicht der Grundstoff eines neuen Meisterstücks gewesen. So reicht es für ein passables Album, das vor allem demonstriert, welch großen Anteil Malakian an System Of A Down hat: das angriffslustige Riffing, das punktuelle Metal-Gitarren-Tremolo, die mit armenischer Sehnsuchtsfolklore angereicherten Melodien, die plötzlichen Stakkato-Ausraster und Weirdo-Anfälle – überall hört man die DNA seiner Hauptband. Nur fehlt eben ein Tankian, der mit seinem Gesang dem Alternative Metal die theatralische, Queen-eske Größe angedeihen lässt, die großen Song-Entwürfe des Metal-Manikers Malakian mit Witz und Charme ausmalt. So klingt "Dictator" oft wie ein SOAD-Album ohne kreatives Gegengewicht, das zudem mit "Lives" und dem Titeltrack nur über zwei echte, gleich konzipierte Hits verfügt. Auf welch hohem Niveau sich diese Kritik abspielt, kristallisiert sich Song für Song mehr heraus: Während das erste Scars-On-Broadway-Album 2008 unentschlossen die Scherben von SOAD im Alternative Rock neu zusammenklebte, ist Malakian auf "Dictator" voll bei sich – selbst die Mid-Tempo-Rocker-Hälfte des Albums mit "Never Forget", "Talkin Shit" oder "Till The End" füllt er mit seiner limitierten Stimme mit Seele. Am Ende bleibt System-Of-A-Down-Methadon. Aber hochwirksames. 8/12 Dennis Drögemüller

Pogen ohne Körperkontakt: Daron Malakians zweiter Egotrip durch den Poprock tut niemandem weh. Zehn Jahre nach dem ersten Scars-On-Broadway-Album hat Malakian fürs zweite seine Mietmusiker inklusive System-Of-A-Down-Schlagzeuger John Dolmayan entlassen, alles alleine gemacht und damit immer noch ein Serj-Tankian-förmiges Loch im Line-up. Schon "Scars On Broadway" zeigte Malakian 2008 als ganz soliden Songwriter ohne Texterqualitäten; wie soll "Dictator" das jetzt ohne Hilfe seiner besseren Hälfte rausreißen. Zwölf Songs lang spielt sich der Kalifornier durch möglichst eingängigen Poprock, der eher zum rhythmischen Fußwippen in Richtung Formatradio als zum Kloppen einlädt, und drischt darin Antikriegsphrasen wie "Silence leads to violence" so oft hintereinander, bis sie jede Bedeutung verlieren. Für die spannendsten Momente sorgen kleinere Metal-Ausbrüche und armenische Folk-Einflüsse, die die allzu braven Vierminüter immerhin stellenweise verschärfen, aber letztlich erinnert das auch nur daran, was bei System Of A Down alles besser war: mehr Tragik, mehr Triumph, mehr grandios wirre Zusammenstöße verschiedener Egos. Weniger platte Reime. Schwer zu sagen, ob "Dictator" daran schuld ist, dass das angekündigte neue SOAD-Album weiter auf sich warten lässt – und wer sich 13 Jahre nach "Mezmerize" und "Hypnotize" überhaupt noch traut, darauf zu warten. Immerhin: Unterhaltsamer als Malakians Soloplatten wäre seine Hauptband auch in Tiefstform allemal. 5/12 Britta Helm

Leserbewertung: 10.0/12

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