Zur mobilen Seite wechseln

Ghost - Prequelle

Prequelle
  • VÖ: 01.06.2018
  • Label: Spinefarm
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 303 - Schönheit der Ausgabe

Nun also die 80er: Ghost, die Pop-Hymniker im Körper einer Okkult-Metal-Band, bedienen sich für ihr viertes Album am für sie logischsten Jahrzehnt. Das Resultat ist mehr denn je für die Musical-Bühne.

Die Schweden gehen damit konsequent ihren Weg weiter: "Infestissumam" (2013) verkündete die Anwesenheit des Antichristen mit Anklängen an 60s-Psych-Pop, "Meliora" (2015) inszenierte die Abwesenheit Gottes mit Rückgriffen auf retrofuturistischen 70er-Artrock und -Prog. Mit "Prequelle" halten nun Tod und Verderben Einzug in der Welt – passend flankiert vom poppig-synthetischen, egomanischen Sound der grell geschminkten und zutiefst materialistischen 80er mit ihrem nuklearen Vernichtungsszenario im Hinterkopf. Schon im Intro "Ashes", das die Apokalypse mit dem Seuchen-inspirierten US-Kinderreim "Ring A Ring O' Roses" einleitet, seifen die Synthies elektrisch wie die Metal-Version von Europes "The Final Countdown"; und auch sonst lassen sich Ghost in keiner Weise mehr vom Klischee der "organischen" Hardrock- und Metalband einengen: Der offensichtlichste Hit "Rats" fängt zwar mit Superhelden-Metal-Riffing an, mündet mit seinem gefauchten Songtitel im Refrain aber in Background-Chöre wie aus Alice Coopers "Poison". "See The Light" wiederum setzt mit poppigem Herzschlag-Bass und Piano an, bevor donnernder Stadion-Bombast die griffigste Teufelei der Platte begleitet: "Everyday that you feed me with hate I grow stronger". Das Eingangsriff von "Dance Macabre" scheint in seiner Cockrockigkeit mit dem Penis gespielt, die Strophe dagegen kommt als butterweicher Piano-Rock, ab dem Pre-Chorus muss man über Abba reden, spätestens im Refrain über Toto. Und in "Pro Memoria" denkt man nach dem üppigen Streicherintro und dem Klavier automatisch die Bonnie Tyler aus "Total Eclipse Of The Heart" hinein. Ghost scheuen nirgends die verpönte Powerballade, "Prequelle" huldigt neben Blue Öyster Cult und Mercyful Fate nun verstärkt auch Boston, Queen und Journey. So eklektisch klangen die Schweden nie, so homogen auch nicht – und trotz Pop an allen Fronten brauchen diese Songs länger. Auch, weil "Prequelle" mehr denn je für die theatralische Live-Performance der Band gemacht ist: Man ahnt in den langen Solopassagen, Kirchenorgel-Outros und Stimmungswechseln der Songs das teuflische Theater und die Szenenwechsel. Zwei Songs verzichten gleich ganz auf Gesang: "Miasma" läuft in seinen fünf Minuten auf einen Bruce Springsteen-Saxofon-Orgasmus zu, und "Helvetesfönster" malt im Colosseum-Stil erhebende Soundlandschaften zwischen Prog, Folk und Jazz. Das alles befremdet beim ersten Hören – und lässt einen schon nach dem dritten nie mehr los.

Leserbewertung: 8.8/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Kommentare (1)

Avatar von eventide eventide 08.06.2018 | 00:10

Mehr als eine glatte 1 hat dieses Album schlichtweg nicht verdient. Was soll der Hype um dieses uninspirierte, langweilige Gedudel? Nichts ist hier kreativ. Dem 08/15 Metaller könnte es evt. noch gefallen (auch wenn es eigentlich ein liebloser Stilmix ist)

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.