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0 Autor: Florian Zandt

Petal - Magic Gone

Magic Gone

Zwischen Licht und Schatten, zwischen Coming-out und Ankommen lässt Kiley Lotz watteweiche Songwriter-Strukturen auf angerautem 90er-Indie und -Alternative notlanden.

Schon auf "Shame", dem Debüt der Songwriterin 2015, geben die Aufarbeitung von Herzschmerz und die Beschäftigung mit Isolation und psychischer Erkrankung den Takt für den Midtempo-Indierock von Petal vor. Nach großen Lichtblicken kann man in diesem düsteren Netz aus dunklen Gedanken lange suchen. Der Nachfolger "Magic Gone" trägt zwar einen ebenso traurigen Namen, zeigt Lotz aber dafür nach ihrem Coming-out und der Rückkehr in ihre Heimatstadt in einem relativ stabilen Gleichgewicht, das sich in den Texten und der Instrumentierung äußert – denn stimmiger klang das Hin und Her zwischen Krach und Wohlklang bei Lotz selten. Der Opener "Better Than You" etwa kratzt und knirscht mit leichtfüßig eingespielten Gitarren wie eine B-Seite der 90er-Indie-Emo-Fans Adventures und schießt in unter drei Minuten über die Ziellinie. Das nachfolgende "Tightrope" hingegen schaltet einen Gang in Richtung groovendes Midtempo zurück und endet in einem ausgedehnten Orgel-Fade-out. "Shy" hingegen verbindet herzzerreißende Gesangsmelodien mit angezerrten, sachte eingespielten Akkorden und erinnert damit an Julien Bakers sakral anmutende Bekenntnislyrik. Es sind diese zurückgenommenen Momente, die "Magic Gone" von den zahllosen Hybriden aus Indierock und Singer/Songwriter-Attitüde abheben. Lotz schafft es, mit ihren Geschichten den Nerv zu treffen, egal ob leise flüsternd oder aus voller Kehle singend – vom ersten verzerrten Anschlag bis zum melancholischen Piano-Outro von "Stardust".

Bewertung: 9/12

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