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0 Autor: Toby Schaper

Yob - Our Raw Heart

Our Raw Heart

Kampf zurück ins Leben: Das achte Album der Sludge-Doomer aus Oregon ist stark von einer lebensbedrohlichen Krankheit des Sängers Mike Scheidt geprägt.

„Es gab keine Vergangenheit und keine Zukunft, kein Ich, keinen Raum, in dem ich mich befand, keinen Körper, den ich bewohnte, keine Band, keine Familie, nicht einmal Trauer oder Angst – einfach nur reiner Schmerz“, so beschreibt Scheidt, seit 1996 Kopf von Yob, in einem bewegenden Online-Essay die Attacken, die ihn während einer akuten Dickdarmentzündung Anfang 2017 heimsuchten. Erlöst wurde er davon erst durch eine siebenstündige Notoperation gefolgt von der Einnahme starker Schmerzmittel, oft fühlte er sich dem Tod näher als dem Leben. Vor diesem Hintergrund ist es ein Wunder, dass es diese Platte überhaupt gibt. Sie repräsentiert den Krankheits- und Genesungsverlauf, oft klingt der ausufernde Psychedelic-Doom, als hätte Scheidt ihn sich unter Schmerzen abgerungen, dann gibt es aber auch wieder Momente der Hoffnung. Der Opener "Ablaze" ist schwereloser Wohlklang über tonnenschweren Gitarren, "The Screen" schon wesentlich näher am Tod, mit seinem quälend repetitiven, spröden Riff, das sich immer genau in dem Moment öffnet, wenn es kaum mehr zu ertragen ist. Schon auf der anderen Seite scheint man in der ersten Hälfte von "Lungs Reach" zu sein; die kalte Leere und Dunkelheit des Weltalls ist hier vertont, der Abgrund öffnet sich am Ende. Trotzdem lässt "Our Raw Heart" den Hörer optimistisch zurück. Das liegt vor allem am abschließenden Titeltrack, der über eine Viertelstunde lang psychedelische Gitarrenschichten auftürmt – eine Feier des Lebens, die tatsächlich gar nicht weit von Motorpsycho oder frühen Smashing Pumpkins entfernt ist.

Bewertung: 8/12

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