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0 Autor: Markus Hockenbrink

Wussy - What Heaven Is Like

What Heaven Is Like

Alt werden für Indietypen: Was für frühere Generationen stabile Post-Punker wie Mission Of Burma gewesen sein müssen, ist für gemächlichere Zeitgenossen der poetische Besoffski-Rock von Wussy aus Cincinnati.

Deren Alben muss man sich in der Regel als Import bestellen (oder man besucht eins ihrer drei Deutschlandkonzerte Anfang Juni und schlägt dort zu), und wenn sie kommen, dann mit grellem Hobbymaler-Artwork und sumpfiger Produktion. Im Grunde genommen ist die Gruppe um das Sänger-und-Songwriter-Paar Chuck Cleaver und Lisa Walker eine von denen, die genauso gut in der Kneipe nebenan auftreten und in Bier bezahlt werden könnte. Der Trick der größten kleinen Band der Welt sind Songs wie "Gloria", die ihrem Popformat mit übersteuerten Gitarren und Holzfällerschlagzeug zu Leibe rücken, als wären drei Akkorde bereits einer zu viel. Gleichzeitig ist das alles irgendwie auch melodiöse Mucker-Mucke, zuzüglich weiblicher Schweißflecken, abzüglich der Virtuosität: Neil Young für Kaugummikauer. Und noch ein Alleinstellungsmerkmal hat es den Kritikern angetan: Genau wie der dicke Schulbusfahrer und die schlaflose Nachtschwester haben Wussy in den knapp 20 Jahren ihrer Karriere eine unwahrscheinliche Standleitung zu einer Alltagspoesie gefunden, die das Quintett in die Nähe von Nischengenies wie John Darnielle rückt. „The stars“, funkeln bei Wussy nicht nur, sie tun es „like eyes of flashing teeth.“ Wenn sich dann noch so wie bei "Skip" und "Oblivion" virulente Gitarrensolos über Walkers Gesang legen, kann man als geneigter Bierbauchaspirant mit zu viel Bildung schon mal beseelt davonschweben. What heaven is like? Meinetwegen gar nicht mal so viel anders als hier.

Bewertung: 8/12

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