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0 Autor: Martin Burger

Gazpacho - Soyuz

Soyuz

Stellenweise schleppender als zuletzt, meist melodischer, aber immer noch so unverwandt und zugleich vertraut leuchtend – "Soyuz" ist ein Gestirn aus Musik für Leute, deren Blick am Himmel hängt.

Außerdem ist "Soyuz" grundlegend anders als die vorherigen beiden Gazpacho-Alben "Molok" und "Demon". Man könnte sogar behaupten, dass die norwegischen Konzeptkünstler es diesmal darauf anlegen, um die finale Enthüllung eines jeden Stücks zu kreisen wie ein Satellit um die Erde: in unsichtbarer Verbindung zu einer Zentrale und doch außer Reichweite. Dabei schleichen weder die kompakten Vierminüter noch die Longtracks unbemerkt vorbei. "Sky Burial" vertont die morbide Geistlichkeit seines titelgebenden Rituals mit der Reife einer Band, die seit den späten 90ern zusammen spielt, und die Quasi-Titeltracks "Soyuz One" und "Soyuz Out" verwenden jedes neue Puzzlestück nach dem Minimalprinzip, sodass über die Gesamtspieldauer von knapp 20 Minuten jeder verzerrte Akkord wie beim ersten Mal übers Trommelfell schmirgelt. Kaum ins Gewicht hingegen fällt die Rückkehr von Robert Johansen ans Schlagzeug, bewegt sich sein Stil doch verdächtig nah an dem seiner langjährigen Vertretung Lars Eric Asp. Von einer Leistung wie auf dem bislang letzten Band-Meisterwerk "Tick Tock" (2009) ist Johansen jedenfalls weit entfernt. Feinheiten, sicherlich, aber letztlich entscheidend für die Verortung eines Albums, auf dem auch Jan Henrik Ohmes sonst so sehr nach Alela Diane Menig (Headless Heroes) klingende Stimme seltsam blass wirkt. Selbstverständlich füllen Gazpacho nach wie vor auf einem konstant hohen Niveau ganze Becken mit Geist, Emotion und Farbe. Nur das Versenken darin fällt schwerer.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 9.0/12

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